Dieser hackte unerbittlich auf den schlanken Stamm los, und Könnern sah zu seinem Erstaunen, daß er wirklich schon mit dem Messer tiefe Einschnitte in die Rinde gemacht, die Arbeit aber endlich als eine zu mühsame aufgegeben hatte.

Als die Schläge den Baum trafen, fielen die schweren Tropfen, die der Nachtthau darauf geworfen, von den Blättern nieder. Der Fremde hielt ein, stützte sich mit dem linken Arm gegen den Stamm und sagte traurig:

»Der Mensch ist doch eigentlich ein recht grausames Geschöpf und vernichtet, wohin sein Fuß nur tritt, wohin er die Hand nur ausstreckt, erbarmungslos was ihm im Wege steht. — Sehen Sie, wie der armen Palme die Thränen von den Wimpern fallen. So jung und schon sterben — so schön und in der Blüthe ihrer Jahre zu Boden geworfen werden — zu Boden, zwischen Gras und Lianen, die sie in wenigen Monaten bedecken und umranken werden. — Aber was kann's helfen,« setzte er nach einigen Secunden rasch und fast wild hinzu, indem er das Beil wieder aufgriff — »weshalb soll der Baum gerade leben und im Sonnenlichte seine Arme dem Glücke entgegenbreiten? Fort mit dir, Bursche, du stehst Anderen im Wege! was nutzen uns deine Thränen, dein Herzblut wollen wir haben; in dein Mark hinein wollen wir dringen, und wer der Bitte nicht nachgiebt, ei, den zwingt zuletzt die Gewalt!« — und mit raschen, schlecht gezielten Schlägen hackte er wieder auf die junge Palme ein, aus der er aber doch Spahn auf Spahn heraushieb, bis sich endlich der schwere Wipfel langsam zu neigen begann und der Baum in das Gewirr von niederen Büschen und Ranken hineinsank.

»Da liege und träume,« sagte der wunderliche Fremde — »und du bist immer noch glücklich dabei,« flüsterte er, von Könnern ungehört, dazu, »denn du stirbst ihretwegen!«

Einen Augenblick stand er und schaute sinnend auf den gefällten Baum, dann aber, wie seine Gedanken gewaltsam abschüttelnd, sprang er empor, schwang das Beil in der Luft und rief:

»So, mein lieber Herr Maler, das letzte Hinderniß ist beseitigt, nun können Sie ungestört an Ihre Arbeit gehen!«

Könnern hatte dem sonderbaren Wesen und Treiben des Mannes schweigend zugesehen, und zerbrach sich dabei den Kopf, wer der Fremde wohl eigentlich sein und was er treiben könne, denn der Anzug gab, wie er recht gut wußte, in den Colonien nur selten den Maßstab für den Mann selber. Die feinen, fast zarten Hände verriethen, daß er noch nie eigentlich schwere Arbeit gethan, und die Ungeschicklichkeit, mit welcher er den jungen Baum fällte, bezeugte das ebenfalls. — Was trieb er denn, um seinen Platz hier in der Colonie auszufüllen?

Der Fremde aber ließ ihm nicht lange Zeit zu solchen Betrachtungen und schien sonderbarer Weise selber das größte Interesse an der Malerei zu nehmen. Er drängte wenigstens zum Beginne derselben und half bereitwillig Alles verrichten, was Könnern seine Arbeit erleichtern konnte.

Dann, als der junge Mann seine Mappe öffnete und seine Arbeit wirklich in Angriff nahm, streckte er sich neben ihm auf dem moosbewachsenen Steine aus und schaute in tiefem Sinnen lange auf die vor ihnen ausgebreitete, wahrhaft wundervolle Landschaft.

Könnern, vollständig mit seiner Arbeit beschäftigt, hatte seine Nähe schon fast ganz vergessen und entwarf rasch und mit kecken Strichen die Umrisse des kleinen, freundlichen Bildes, als der junge Mann an seiner Seite plötzlich mit leiser Stimme fragte: