»Elise — meine Elise — Du bist mir gut? Du zürnest nicht dem kecken Fremden, der es wagte, an Dein Herz zu pochen, Du läßt mich hoffen, daß ich Dich gewinnen kann? O, nun ist Alles gut, Alles gewonnen, denn der Vater wird und muß Dich mir geben. O, wenn ich Dir jetzt nur mit Worten sagen könnte, wie herzlich ich Dich liebe; wie all mein Sehnen und Trachten, all' meine Gedanken die ganze lange Zeit, in der wir uns nicht gesehen, gesprochen, nur Dir gehört, nur Dein gedacht! Sieh mich an, Elise, o, laß mich in Deinen lieben treuen Augen das Glück auch lesen, das Du mir mit Deinen herzlichen Worten gegeben, laß mich darin die Bestätigung finden, daß ich nicht mehr allein stehe auf der Welt und ein Herz gefunden habe, das mein sein will in Lust und Leid, in Sorge und in Glück.«
Elise schlug das thränengefüllte Auge zu ihm auf und lehnte ihr Haupt dann schwer und seufzend an seine Brust.
»Es kann nicht sein,« flüsterte sie — »ich darf nicht glücklich werden — werd' es nicht!«
»Du wirst es — mit diesem Kusse gewinn' ich Dich zur Braut, und wie mich Gott verlassen soll in meiner letzten Stunde, wenn ich je von Dir lasse, so vertraue auch mir! Leg' Dein Geschick getrost in meine Hände, und steht uns auch noch eine Prüfung bevor, sollten uns auch noch Hindernisse in den Weg treten, laß Dich nicht entmuthigen. Was es auch sei, wir werden's überwinden, und wie ich jetzt mein ganzes Leben Dir zu eigen gebe, so sei versichert, daß Dein künftiges Glück in guten und treuen Händen ist.«
»Und wenn uns der Vater trennt?«
»Er kann, er darf es nicht, Herz,« sagte Könnern, wieder und wieder ihre Stirn küssend, denn sie hielt das Antlitz noch fest an seiner Brust geborgen — »er wird auch in der Kinder Glück das eigene wieder finden, wieder vergessen lernen, was ihm die Welt vielleicht zu Leid gethan, und so nur können wir auch ihn dem Leben wieder gewinnen, dem er jetzt ja fast vollständig entsagt. Fürchtest Du Dich noch?«
»In Deiner Nähe nicht,« flüsterte die Jungfrau — »hier an Deiner Brust ist mir wohl — o, so möcht' ich sterben. Wenn ich aber weiter denke — wenn ich glauben muß, daß uns ein böses Geschick je wieder trennt — o, gehe nicht von mir,« bat sie, ihn leidenschaftlich umschlingend — »laß mich nicht wieder allein, denn jetzt erst, in diesem Augenblicke erst fühl' ich, was ich mein ganzes Leben lang entbehrt — Liebe! — Liebe! — Liebe!«
Ein lindernder Thränenstrom machte ihrem Herzen Luft, und zitternd, weinend lag sie lange in Könnern's Armen. Endlich rang sie sich gewaltsam von ihm los, und ihre Thränen trocknend, sagte sie, mit einem gar so lieben wehmüthigen Lächeln zu ihm aufschauend:
»Bin ich nicht ein Kind, daß ich dem ersten Glück entgegenweine — und doch — der Allwissende dort oben sieht es — trage ich es mit bitter schwerem Herzen — o, Bernard, willst Du mich nie vergessen, wenn uns auch — das Schicksal wieder auseinander reißt?«
»Nie, nie soll das Eine noch das Andere geschehen!« rief leidenschaftlich der junge Mann — »und jetzt banne die trüben Gedanken aus Deiner Seele, Du süßes Lieb — oder« — fuhr er leise flüsternd und lächelnd fort — »soll ich Dich daran erinnern, daß Du — Dein Vielliebchen gefunden hast? Wie hieß doch der letzte Vers, Schelm?«