»Außerdem hat er ein großes Capital in dem Gut stecken; er hat viel Vieh, Pferde, Rinder und Schafe, und manchmal verdient er viel damit, manchmal hat er auch Unglück. Es fällt ihm ein Pferd, ein Rind, oder die Ernte geräth einmal nicht, kurz, er hat viel Risico bei der Sache, d. h. er wagt sein Vermögen daran, oder er nimmt dann auch wieder in manchem Jahre sehr viel ein, was den Schaden deckt, – nun soll er Euch für Eure Tagelöhner-Arbeit die Hälfte seines Verdienstes geben?«
»Ja, das ist aber auch wohl so nicht gemeint,« sagte Behrens.
»Gewiß nicht,« erwiderte der Doctor, »aber trotzdem steht es da, und auch nichts Anderes, nach dem man herausfinden könnte, wie diese Hälfte gemeint ist, denn von einem bestimmten Tagelohn ist keine Rede. Ihr seid also förmlich der Willkür Eures neuen Herrn überlassen, wobei Ihr Euch noch außerdem verpflichten müßt, und zwar für Euch und Eure Familie, seinen oder seines Verwalters Befehlen getreulich nachzukommen. Der schlimmste Passus ist aber noch der letzte, wo es heißt, daß Ihr während der Dauer des ganzen Contracts, also auf eine ganz unbestimmte Zeit hinaus, denn es ist gar keine Dauer festgesetzt, Eure ganze Zeit und Aufmerksamkeit dem Euch übertragenen Dienst zu widmen habt, also nicht eine Minute derselben für Euch selber arbeiten und nur das Nothwendigste verrichten könnt. Unterschreibt Ihr das Papier, so seid Ihr nichts als ein Sclave, und es kann Euch nachher Niemand mehr helfen.«
»Ja,« sagte Behrens schüchtern, »das hat unser Schulmeister auch gemeint, daß wir die Sonntage frei und einen Garten haben müssen, in dem wir uns selber Kaffee und Zucker bauen könnten.«
»Lieber Freund,« seufzte der Doctor, »Ihr schleppt eine Menge phantastischer Ideen im Kopf herum, und Euer Schulmeister scheint Euch noch darin bestärkt zu haben.«
»Aber wenn das nun in den Contract kommt.«
»Aber bester Mann, ist das ein Contract?« rief der Doctor. »Ihr seid unglückselige Menschen. Wenn Ihr nur ein beschriebenes Papier bekommt, das Ihr unterschreiben könnt, so bildet Ihr Euch nachher gewöhnlich ein, Ihr hättet einen Contract gemacht und könntet nun nicht mehr betrogen werden. In diesem Papiere, obgleich hier fälschlicher Weise steht »»während der Dauer des Contracts««, und hier oben »»der contractlich eingegangenen Verpflichtung««, ist von einem Contract weiter gar nicht die Rede, als daß jene Person, der Ihr überliefert werdet, das Geld zahlt, um Euch in die Hände zu bekommen, und dann nachher mit Euch machen kann was sie will. – Außerdem,« fuhr der Doctor fort, als Behrens betroffen schwieg, »wißt Ihr aber auch noch gar nicht einmal, wie viel die Reise für so viele Personen kosten kann, – wie viel Euch wenigstens dafür aufgeschrieben wird, und seid nicht sicher eine Schuldenlast auf den Hals zu bekommen, an der Ihr Eure besten Lebensjahre arbeiten mögt, um sie wieder abzuschütteln. Nein, Freund, – es ist mir lieb daß ich einmal einen solchen Parcerie-Vertrag in die Hände bekomme; ich habe bis jetzt viel darüber gehört und gelesen, aber noch nie einen gesehen. Jetzt begreife ich die Entrüstung die darüber herrscht, denn es ist in der That nichts, als ein Menschenhandel, und Alle, die sich damit befassen, sollten als Seelenverkäufer gebrandmarkt werden.«
»Aber der Herr, mit dem wir es zu thun bekommen, soll ein ganz braver, ehrlicher Mann sein,« sagte Behrens leise.
»Und woher wißt Ihr das, oder woher weiß der das,« rief der Doctor, »der Euch das gesagt hat? denn hier in dem Wisch steht nur, daß der Agent in Antwerpen – und Antwerpen gerade ist der verrufenste Ort für derartige Agenturen – mit irgend einem Plantagenbesitzer einen Contract über Euch abschließen soll, bei dem Ihr dann natürlich gar nicht mehr gefragt werdet.«
»Ja, aber –«