»Abgeredet hat er mir eigentlich nicht«, sagte Behrens, »aber der Herr Doctor meinte, es wäre eigentlich gar kein Contract, und dann besonders die Stelle, wo von der ganzen Zeit und Aufmerksamkeit steht –«

»Kein Contract?« fuhr aber jetzt Herr Kollboeker auf – »so soll ich mich etwa heute auch noch mit Euch herumärgern, heh? – Was ist denn das, wenn Einer das Geld hergiebt und der Andere verspricht nachher dafür zu arbeiten, bis es abverdient ist, heh? – Was sind denn Eure Miethcontracte auf dem Lande, wo so ein armer Teufel von Ochsenknecht lumpige achtzehn oder zwanzig Thaler für's ganze Jahr bekommt und sich dafür das ganze geschlagene Jahr von Morgens früh drei oder vier Uhr bis Abends Glock sieben schinden und plagen und das Fleisch von den Knochen herunterarbeiten muß? Sind die etwa was Anderes und findet Ihr hier nur einen einzigen von all den großmäuligen Rittergutsbesitzern und Pachtern, die Euch nur so viel hundert Groschen vorschössen, um Euch zu einem bessern Leben zu verhelfen, als Ihr hier Thaler bekommt? Hab' ich Recht oder nicht?«

»Ach ja, Herr Kollboeker, wahr ist's schon und läßt sich Nichts dagegen einwenden; wenn man nur einmal zehn Groschen Lohn voraus haben will, so muß man vor Gott und nach Gott darum bitten, und kriegt's dann gleich in der nächsten Woche wieder bei Heller und Pfennig abgezogen.«

»Na also – und was wollt Ihr sonst noch?«

»Ja«, sagte Behrens verlegen – »eins liegt mir doch noch auf dem Herzen, und ich wollte Sie dringend darum gebeten haben.«

»Und das ist?« frug Herr Kollboeker, indem er den zweiten Brief hernahm und aufbrach.

»Ich wollte doch gern,« fuhr Behrens der sich ein Herz faßte, fort, »so nah wie möglich dorthin nach Brasilien kommen, wo mein Bruder drüben ist.«

»So? Ihr habt schon einen Bruder drüben? und wo steckt denn der?«

»In der Colonie Blumenau.«

»Na da geht doch hinüber,« meinte Herr Kollboeker kurz – »es hindert Euch Niemand daran. Dorthin gehn immer Schiffe.«