Die Marionettenbude war die letzte in der Reihe, und dicht daran führte die breite Promenade, welche sich um die Stadt selber herumzog und gewöhnlich zu Spazierfahrten der haute volée benutzt wurde. Eben jetzt kam eine Equipage, langsam im Schritt durch die Menschenmenge sich Bahn suchend, vorüber, und die aus dem Wege Drängenden hemmten jede Passage in diesem Augenblick so, daß Graf Rottack mit den Seinen stehen bleiben mußte, um sie erst vorüber zu lassen.
Helene fühlte, wie Felix ihren Arm fest an sich drückte, und von einer plötzlichen Ahnung ergriffen, flüsterte sie rasch und erschreckt: »Wer ist das?«"
»Sei stark, mein braves Frauchen, und verrathe keine Bewegung,« ermahnte sie ihr Gatte, »es sind Monfords!«
»Meine...«
»Bst, mein Schatz,« warnte Felix rasch, »wir können ihnen nicht mehr ausweichen. Hänge Dich nur fest an meinen Arm.«
Der Wagen hatte sie erreicht und fuhr unmittelbar an ihnen vorüber. Nur der Graf und die Gräfin saßen im Fond desselben. Er, der Graf, mochte ein Herr hoch in den Sechzigen sein, mit weißem, vollem Haar und einem wohlgepflegten Schnurrbart.
Seine Frau, eine Dame von vielleicht einigen vierzig Jahren, stattlich und vornehm, in eleganter, aber nicht überladener Toilette, während der Graf selber nur eine Jagdjoppe mit grünem Kragen trug, lehnte nachlässig neben ihm und betrachtete die an ihrem Wagen vorbeidrängenden Menschen durch ihre Lorgnette.
Graf Rottack, der noch immer sein kleines Töchterchen auf dem Arm trug, grüßte, und Helene, die zitternd an seinem Arme hing, verneigte sich ebenfalls. Graf Monford, den jungen Mann erkennend, dankte freundlich, während die Gräfin nur eben die Lorgnette von ihrem Auge entfernte und langsam das Haupt neigte.
Die Gräfin mußte einmal bildschön gewesen sein – sie war es selbst jetzt noch und schien das auch zu wissen – aber der Wagen passirte, und Graf Rottack, der sich erst umsah, ob er auch die Seinen bei einander habe, schritt jetzt mit Helenen über die Straße, um aus dem Menschenschwarm hinaus zu kommen. Dort übergab er sein kleines Töchterchen der Wärterin.
»Kanntest Du den Herrn?« sagte im Wagen Graf Monford zu seiner Gattin, als sie vorübergefahren.