»Er spielt den Hamlet.«
»Daß Dich die Milz sticht!« rief Peters – »der Rebe?...«
»Fort mit Ihnen, fort! Wenn die da fertig mit Hopsen ist, ehe Sie unten im Parterre sind, ziehe ich Ihnen eine halbe Monatsgage ab.«
»Dös a noch!« sagte Peters, indem er seinen Blumenflor aufpackte und wie ein Pfeil damit dem Ausgang zuschoß. Dabei murmelte er: »Ob er mir nur je im Leben damit gedroht hätte, er wollte mir eine halbe Monatsgage zulegen – Gott bewahre! Nicht einmal ein Paar neue Stiebeln setzt's, und die hab' ich mir schon heute durchgelaufen! 's doch 'was Schönes um's Theater, besonders wenn man nur die Laufereien zu besorgen hat und Allerwelts-Packträger ist – Blumenwerfen, da capo-Schreien – es ist erstaunlich, was nicht Alles von einem Theaterdiener verlangt wird! Und der Rebe den Hamlet!« setzte er hinzu, indem er die jetzt vollkommen leeren Treppen bis zum zweiten Rang emporflog – »da werd' ich nachher wohl auch noch zu der Hökerin hinüber und einen Korb voll fauler Äpfel zum Einkaufspreis besorgen müssen.«
Peters war übrigens ein durchaus brauchbarer Mensch in jeder Branche und entledigte sich seines Auftrages vollkommen. Während er da oben noch Ordre gegeben hatte, auch von dort aus einen energischen da capo-Ruf erschallen zu lassen, wofür sogar der Logenschließer gewonnen worden, stürzte er hinunter in's Parterre, um die nöthigen Hülfstruppen zusammen zu bringen.
Das Publikum indessen, das zum Anfang eine ernste Tragödie erwartet hatte, war im Beginn des Tanzes überrascht und verhielt sich ziemlich passiv, trotzdem daß die junge Dame einige ganz verzweifelte Sprünge ausführte und eine Fertigkeit im Drehen und Beinwerfen entwickelte, die in Haßburg in dieser Gewandtheit noch nicht gesehen worden. Noch immer hatte sich aber keine Hand gerührt, bis endlich der Erbprinz selber, wenn auch kaum durch das Zusammenklopfen seiner Fingerspitzen, ein wenigstens sichtbares Zeichen der Zufriedenheit gab. Jetzt legte sich das Parterre in's Geschirr, das auf diesen Anfang nur gewartet zu haben schien, und Fräulein Bellachini warf einen halb schmachtenden, halb dankenden Blick nach der Hofloge hinauf.
Krüger sah von alledem nichts, denn eben hatte er den eintreffenden Meier erspäht, den er mit ungeduldigen Geberden in's Conversationszimmer winkte.
Meier sah wirklich kläglich aus; er trug, trotz der warmen Witterung, einen alten, sehr abgenutzten und an den Ärmeln sogar beschädigten Flausrock. Dabei hatte er sich den Backen mit einem dicken weißen Tuch verbunden, in dem sogar möglicher Weise noch ein Umschlag lag, und um vielleicht seinen Zustand noch etwas bedenklicher darzustellen, hielt er sich sogar den Backen, als er zu seinem Vorgesetzten in das Conversationszimmer trat.
Dieser aber schien auf seine Verfassung nicht die mindeste Rücksicht zu nehmen, und kaum hatte er ihn im Zimmer, so rief er ihn an:
»Meier, das ist ein Glück, daß Sie zu Hause waren – Sie müssen heut Abend den Güldenstern spielen!«