»Und ich fürchte nichts,« rief der junge Mann, eigentlich mit etwas zu viel Pathos, »nichts, als die Grenzen Deiner Liebe; laß auch Hindernisse wie Gebirge zwischen uns treten, ich will sie für Treppen nehmen und darüber hin in Louisens Arme fliegen!«

»In Louisens?« sagte das junge Mädchen erschreckt.

»In Deine, mein Herz,« lächelte ihr Geliebter; »kennst Du die wunderbar schöne Stelle aus Kabale und Liebe denn nicht?«

»Ach, Rudolph, mir ist das Herz so schwer; was kann ich gegen den Willen der Eltern thun?«

»Ha, laß doch sehen,« declamirte Rudolph weiter, »ob ihr Adelsbrief älter ist, als der Riß zum unendlichen Weltall; wer kann den Bund zweier Herzen lösen oder die Töne eines Accords auseinander reißen!«

»Aber Du weißt nicht, Rudolph, wie entsetzlich streng die Eltern sein können, wo es, wie sie glauben, die Ehre ihres Hauses gilt; mein Wort verhallt da ohne Klang.«

»So flieh mit mir, Geliebte,« drängte Jener; »was nützt uns Glanz und Pracht, wenn unsere Herzen verbluten? Meine Kunst ernährt uns, wohin wir den Fuß wenden. Dem Namen Handor jauchzt die ganze Künstlerwelt entgegen, und frei und glücklich leben wir den Musen, der Liebe...«

»Ach, Rudolph, ich soll die Mutter, soll den Vater verlassen?«

»Du sollst Vater und Mutter verlassen und dem Manne folgen, gebietet Dir selber die heilige Schrift.«

»Mein armer Vater!«