»Aber?«
»Aber,« stöhnte Jeremias, »jetzt, da ich meinem Ziel so nahe bin, habe ich eine Heidenangst bekommen, allein zu ihr zu gehen – alle meine Sünden fallen mir bei, und – und ich wollte wahrhaftig manchmal, ich – wäre wieder in Brasilien!«
»Und sind Sie nicht hergekommen, um gut zu machen, was Sie früher verschuldet haben?« sagte Helene herzlich.
»Ja, das wohl – aber...«
»Ich gehe mit Ihnen, Jeremias,« rief Graf Felix lachend, »ich helfe Ihnen Ihre Frau suchen!«
»Ach, Herr Graf,« sagte der kleine Mann verlegen, »wenn Sie – wenn Sie das thun wollten, da wäre mir ein wahrer Berg vom Herzen herunter!«
»Ich gehe mit Ihnen,« bestätigte Graf Rottack aber noch einmal, denn theils nahm er wirklich Interesse an dem kleinen verzweifelten Manne, da ihm dieser wieder alle die alten transatlantischen Erinnerungen, als ein Stück selber von daher, so lebendig in der Seele wach gerufen, und dann machte es ihm auch Spaß, von der Entwickelung dieses kleinen Dramas Zeuge zu sein.
»Und wann wollen Sie gehen?« fragte Helene.
»Ja, heute ist es zu spät,« rief Rottack, »aber den heutigen Abend verwenden Sie dazu, die Wohnung Ihrer geschiedenen Frau aufzufinden, und dann holen Sie mich morgen Mittag um zwei Uhr ab! Ist Ihnen das recht? Ich kann nicht früher.«
»So wollen wir's machen,« rief Jeremias, ihm treuherzig die breite Hand entgegenstreckend – »jetzt hab' ich auch wieder Courage, und morgen wissen wir dann gleich, woran wir sind!«