Jetzt schien er mit seiner Arbeit vor der Hand zu Ende; möglich auch, daß er sich nur ausruhen und dabei sein Mittagsbrod verzehren wollte. Er schritt zu der nächsten Linde, die dicht an dem Kiesweg stand, und wo er zugleich Schutz gegen die heute ziemlich warm brennende Sonne fand. Dort legte er seinen Ranzen ab und neben sich, nahm ein Stück Brod und Wurst heraus, wie eine kleine Flasche mit Branntwein, zog seinen Genickfänger vor und begann, während der Spitz vor ihm saß und ihn mit etwas seitwärts gebogenen Kopf aufmerksam betrachtete und jedem Bissen, den er zum Munde führte, mit den Augen folgte, seine Mahlzeit.

Die beiden Spaziergänger, welche auf demselben Wege herankamen, an dem er saß, mußte er jedenfalls bemerkt haben; der Spitz markirte sie auch ein paar Mal, indem er dort hinübersah. Der Alte nahm aber nicht die geringste Notiz von ihnen; wußte er sich ja doch auch hier in seinem vollen Recht und in seinem Beruf, und der Platz unter der Linde, so lange er dort saß und Rast hielt, gehörte ihm.

»Nicht wahr, um zwölf Uhr hatten sich Rottacks ansagen lassen?« fragte die Gräfin, nachdem sie eine Weile schweigend neben ihrem Gemahl hergeschritten war.

»Ja, mein Kind,« sagte der alte Herr, »eben schlug es Zwölf; aber unsere Uhr geht einige Minuten vor. Wir werden gerade zur rechten Zeit wieder oben sein.«

»Ich möchte nur wissen,« fuhr die Gräfin nach einer kurzen Pause fort, »was die junge Frau für eine Geborene ist. Sonderbare Sitte das, auf seine Karte nichts zu setzen, als ganz einfach: Graf Rottack und Frau, gerade als ob er ein Schuhmacher oder Schneider wäre.«

»Mein liebes Herz,« lächelte der Graf, mit den Achseln zuckend, »er wird mit der Abstammung seiner Gemahlin wahrscheinlich keinen Staat machen können und ist klug genug, sie ganz wegzulassen.«

»Diese Aufmerksamkeit gegen uns ist doch auch wirklich ganz außerordentlich; wie ich vorhin gehört habe, sind die Herrschaften erst gestern hier eingetroffen.«

»Wir werden etwas vorsichtig mit diesem Umgang sein müssen,« bemerkte der Graf, »bis man wenigstens Genaueres über die Familienverhältnisse erfährt. Der junge Rottack hat mir übrigens so weit ganz gut gefallen; nur ein wenig sehr ungenirt ist er, wie alle die Herren, welche sich eine Zeit lang in fremden Welttheilen und unter Republikanern herumgetrieben haben.«

»Ist seine Frau eine Deutsche?«

»Ja, mein Herz, da fragst Du mich zu viel; ihrem Ansehen nach jedenfalls, denn wenn ich nicht irre, hat sie blonde Haare. Aber wir werden ja sehen. Behagt uns der Umgang nicht oder stellt sich etwas dagegen heraus, so giebt es Mittel und Wege genug, ihn in der freundlichsten Weise wieder abzubrechen oder wenigstens zu erschweren, und sind unsere Befürchtungen unbegründet, so haben wir vielleicht einen sehr angenehmen Zuwachs unserer, doch eben nicht sehr zahlreichen Gesellschaft erhalten.«