Der Spitz trippelte stärker und nieste noch einmal.
»Na, dann brauchen wir über die Sache kein Wort mehr zu verlieren,« nickte der Alte und lachte still vergnügt vor sich hin, fuhr aber dabei in seinem Selbstgespräch, ohne sein Kauen jedoch zu unterbrechen, fort: »Merkwürdig doch, wie die Kinder oft mit einem geladenen Schießgewehr spielen, und wie leicht kann's losgehen und bläst ihnen dann die ganze Ladung mitten in's Gesicht hinein! Und die Frau Gräfin, wie sie den Staub hinter sich vom Kieswege auffegt; eigentlich sollte der Gärtner seinen Arbeitsweibern auch so ein Ding, so eine Crinoline und Schleppe hinten dran kaufen, dann könnte er das Rechen sparen das ganze Jahr, und schickte die nur jeden Morgen spazieren durch den Park. Frauenvolk, Frauenvolk,« rief er kopfschüttelnd, indem er seinem Spitz ein Stück Wurst zuwarf, das dieser geschickt fing und schwanzwedelnd verzehrte, »'s ist nicht zu glauben; und wie sie mich mit der Lorgnette betrachtete, – muß doch ein verdammt schwaches Gedächtniß haben, denn nahe genug hat sie mich doch schon gesehen – und nicht einmal mit der Brille; 's ist merkwürdig, und der Hochmuthsteufel scheint ihr alle anderen Dinge rein aus dem Kopf gejagt zu haben, denn mir steht sie noch vor Augen, als ob es erst gestern gewesen wäre.«
Der Spitz knurrte und drehte den Kopf nach rechts.
»Hallo,« fuhr der Maulwurfsfänger fort, indem er rasch dorthin sah, »wer kommt da? Besuch? Na, nicht zu uns Beiden, Spitz; so vornehm treiben wir's nicht mehr.«
Es waren ein Herr und eine Dame, hinter denen etwa fünfzig Schritte weiter zurück ein Diener in Livrée folgte.
»Ich dachte es, Helene,« sagte Graf Rottack, als er mit ihr auf dem Weg herankam, »daß wir ein wenig zu früh eingetroffen wären; aber die Herrschaften sind jetzt nach dem Hause zurückgekehrt, um uns zu erwarten, und siehst Du, da drüben liegt es schon. Nur jetzt Herz gefaßt,« setzte er leise hinzu, »nur jetzt keine Schwäche gezeigt, denn es ist das erste und deshalb auch für Dich das peinlichste Begegnen; aber da zeige auch, daß Du die Seelenstärke besitzest, die Du mir ja schon so oft bewiesen.«
»Hab' keine Furcht, Felix,« erwiderte Helene, »ich werde Dein Vertrauen rechtfertigen. Ich bin stark, und wenn ich auch das Gefühl nicht abschütteln kann, daß mir im Innern genau so ist, als ob es mir die Brust zusammenschnüren wolle, äußerlich soll man mir nichts anmerken, ich stehe Dir dafür. Nur vor der allerersten Begrüßung scheu' ich mich; aber auch das geht ja rasch vorüber, und ich fürchte fast, die Frau Gräfin wird mir das sehr erleichtern.«
Sie waren während dieses Gesprächs dicht an den Maulwurfsfänger hinangekommen, der aber keinen Blick mehr auf sie warf und ruhig sein Mahl beendete. Erst als sie dicht vor ihm standen und Felix ihn anredete, sah er auf, und sein Blick haftete fest und wie erstaunt auf dem lieben Antlitz der jungen Frau.
»Lieber Freund,« redete ihn indessen Felix an, »können Sie mir nicht sagen, ob diese Fußspuren, die von einem Herrn und einer Dame herrühren und ganz frisch sind, dem Grafen und der Gräfin Monford gehören? Es wurde uns gesagt, sie gingen im Park spazieren.«
»Dort hinten können Sie noch in den Büschen das lichte Kleid der Gräfin erkennen,« sagte der Mann, der aber in diesem Augenblick ganz sein früheres mürrisches Wesen abgelegt zu haben schien. Wie seiner selber unbewußt, zog er dabei die Mütze vom Kopf und starrte den ihren Weg mit einem freundlichen »Danke!« Verfolgenden nach, als ob er eine Erscheinung gesehen hätte.