In der nämlichen Zeit, in welcher an diesem Morgen Graf Rottack mit seiner jungen Frau zu dem Besuch nach Monford hinausfuhr, war im Theater Probe von den »Räubern«.

Überhaupt wurde das Schauspiel gerade in dieser Zeit sehr beschäftigt, denn in der nächsten Woche stand auch noch eine Festvorstellung des »Hamlet« bevor. Man erwartete nämlich in den nächsten Tagen den Erbprinzen zum Besuch, und der Director hatte angefragt, was Seine Königliche Hoheit im Theater zu sehen wünsche, worauf der »Hamlet« bezeichnet wurde. Am nächsten Tag sollte dann noch ein großer Ball arrangirt, kurz, Alles gethan werden, um dem jungen und hohen Herrn den Aufenthalt in der Stadt so angenehm als möglich zu machen.

»Hamlet« mußte aber neu einstudirt werden, und die Aufführung der ebenfalls lange nicht gegebenen »Räuber« kam da etwas in die Quere; aber es half eben nichts. Das Publikum wollte solche Stücke sehen, und die Schauspieler mußten sich fügen.

Auf dem Theater, das jetzt natürlich nicht erleuchtet sein konnte, herrschte ein düsteres Halbdunkel. Das Licht fiel dürftig durch die geöffneten Seitenfenster herein, und nur ein einzelner Sonnenstrahl stahl sich an einer Ecke vorüber und beschien eine der Coulissen, einen bemalten Leinwandbaum.

Nur vor dem Souffleurkasten brannten die beiden Lampen, und rechts auf der Bühne, wo ein Tisch und ein paar Stühle standen, saßen der Director in einem weiten Mantel und der etwas kränkliche Regisseur in großen Filzschuhen und einem Pelze, trotz der Wärme draußen, denn die Luft war hier drinnen kellerartig und es zog fortwährend.

Auf der Bühne gingen sehr anständig gekleidete Herren und Leute in Hemdsärmeln friedlich untereinander herum, und zwar beide Theile ihren Geschäften nach – die Einen die Darsteller, die Anderen Maschinisten, Coulissenschieber und Lampenputzer, während hinten auf der Bühne eine Dame in Hut und Schleier, ein Manuscript in der Hand, noch memorirend zwischen ihnen auf und ab wanderte und nur manchmal das Manuscript – ihre Rolle – gesticulirend ausstreckte und leise tragische Worte dazu murmelte.

Es war Amalia, Fräulein Rottenhöfer, erste tragische Liebhaberin im Theater zu Haßburg.

»Dritte Scene, meine Herren!« rief der Regisseur und klingelte.

Die Schauspieler traten zusammen; die Scenerie war gestellt: die böhmischen Wälder. Es begann die Scene im zweiten Acte, wo die Räuber, nachdem sie Roller befreit, wieder zusammenkommen, und ging so ziemlich.

Pfeffer gab den Spiegelberg; überhaupt hatten dieses Mal alle Kräfte am Theater aufgeboten werden müssen, um die zahlreichen Rollen so tüchtig als möglich zu besetzen, und die Leute gaben sich die größte Mühe. Nur wo Schwarz auftritt, mußte das Einspringen noch einmal gemacht werden.