„Es gibt nur zwei Wege für Sie“, hatte der Doctor, dem die Geschichte nachgerade anfing langweilig zu werden, am Ende einer langen Rede einmal zu ihm gesagt. „Sie müssen sich in einen Wagen setzen, oder Sie werden in einen gesetzt, oder vielmehr gelegt nach unsern jetzigen christlichen Begriffen. Außerdem weiß ich noch nicht einmal ob das allein für Sie hinreichend sein wird, denn das dumme Zeug, was Sie sich von der «umwundenen Naht» haben in den Kopf setzen lassen (und ich kann mir recht gut denken woher es kommt), wird auch die Reise nicht ganz mit der Wurzel ausrotten, dazu gehört schon eine Radicalcur.“
„Noch etwas Schlimmeres als eine Reise?“
„Schlimmeres? — ja und nein, wie Sie wollen.“
„Und das wäre?“
„Sie müssen heirathen.“
„Heirathen?“ rief der Commerzienrath, mit einem Satze aus seinem Lehnstuhl hinausspringend und einen scheuen Blick nach der Thür werfend. Wenn Dorothee das Wort gehört hätte!
„Heirathen“, bestätigte aber der Doctor, der selbst zum ersten male an einen solchen Ausweg gedacht und nun that, als ob er sich das Für und Wider schon monatelang mit allen Gründen und Hindernissen überlegt und die Eröffnung nicht länger auf dem Herzen hätte behalten können. „Heirathen“, wiederholte er noch einmal, und nahm eine langsame bedächtige Prise. „Und je eher Sie sich dazu entschließen, desto besser für Sie. Viel Zeit haben sie überhaupt nicht mehr damit.“
„Unsinn!“ sagte der Commerzienrath, der sich von dem ersten Schreck erholt hatte, und wieder in seinen Stuhl sank, „heirathen? Fragen Sie einmal meine Dorothee, was die dazu sagen würde.“
„Dorothee?“ rief der Doctor unwillig und verächtlich mit dem Kopfe schüttelnd, „Dorothee! — Was geht uns Ihre Dorothee an, wenn es sich um Ihre lebenslängliche Behaglichkeit und Gesundheit handelt?“
„Behaglichkeit? — Ja das kann ich mir denken“, sagte der Commerzienrath. „Daß ich die Hölle im Hause hätte? — Nein, Doctor, meine Leber will ich Ihnen anvertrauen, aber meinen Hausfrieden nicht. Wenn es denn nun einmal nicht anders sein kann, so will ich reisen — meinetwegen; ich gehe so und so zugrunde; aber wie? — wohin? — womit? — wie weit?“