„Und unten am Bahnhofe, wie der Morgenzug von Hof kam?“

„Ja — zufällig“, sagte Herr Mahlhuber, die beiden Männer, einen nach dem andern erstaunt und doch auch wieder scheu betrachtend.

„Ist da nicht“, machte plötzlich der Aeltere der Brüder seinen letzten Zweifeln ein rasches Ende, „eine junge, sehr hübsche und elegant aber einfach gekleidete Dame mit einem alten häßlichen, etwas krummgehenden Herrn ausgestiegen, der sich für den Regierungsrath Redmeier, in Lichtenfels aber für einen Commerzienrath Mahlhuber ausgegeben hat? Wie ich übrigens aus ziemlich guter Quelle weiß, ist er keins von Beidem, sondern ein Schwindler, der auf unbegreifliche Weise das junge Mädchen bethört haben muß, und sich jetzt sogar für ihren Onkel ausgibt, weniger Verdacht zu erregen. Die beiden Personen müssen Ihnen aufgefallen sein, und Sie werden uns einen großen Gefallen erweisen, wenn Sie uns auf die richtige Spur bringen wollten.“

Die Bombe war geplatzt. Das mußten jedenfalls die beiden Brüder der jungen Dame sein, und was für derbe, handfeste, wildaussehende Bursche waren es! Wie eilig hatten sie es dabei; nicht einmal Zeit auf den Mittagszug zu warten, Gott bewahre, müssen Extrapost nehmen, nur um eine Stunde früher an Ort und Stelle zu sein. Maria und Joseph! das hatte noch gefehlt, und für seine Gutmüthigkeit konnte ihm da eine schöne Suppe eingebrockt werden. Und wie grob — häßlicher, krummgehender Herr — aber Gott sei Dank, das war jedenfalls eine malitiöse Verdächtigung des Telegraphen, die ihm jetzt vortrefflich zustatten kam und die er für sich benutzen konnte.

„Nun, erinnern Sie sich nicht?“ fragte der Erste wieder, „die Dame trug, wenn ich nicht irre, ein seidenes ungebleichtes Kleid und einen Strohhut.“

„Ja, ganz recht“, sagte der Commerzienrath, dem keine weitere Zeit gegeben wurde sich die Sache zu überlegen, „ich glaube ich erinnere mich an ein solches Paar — ein junges, sehr hübsches Mädchen und ein alter würdiger Herr —“

„Würdiger Esel!“ rief der Zweite wüthend aus, „der alte Hallunke sollte an sein Grab denken, anstatt solche Streiche in seinen Jahren zu machen; aber die Familie ist jetzt entehrt, und will das Mädchen denn einmal so wahnsinnig sein, gut, dann mag sie ihn meinetwegen nehmen, aber in unserer Gegenwart muß die Hochzeit sein, und in Stücke reiß ich den Schuft, wenn er nur mit dem Zucken einer Wimper dagegen ansträubt.“

„Aber, meine Herren“, warf der Commerzienrath jetzt verlegen ein, „wissen Sie denn auch, daß der ältliche Herr mit der jungen Dame wirklich durchgegangen ist? — Können nicht am Ende Umstände — ein eigentümliches Zusammentreffen —“

„Hallo!“ rief der Eine von ihnen plötzlich, indem er den Commerzienrath mit weitaufgerissenen Augen ansah, „heißen Sie am Ende Mahlhuber?“

„Ich? — Nein!“ rief der Commerzienrath, ehe er noch wußte, was er gesagt hatte, und nur im Instinct der Selbsterhaltung Namen, Titel, Orden, kurz Alles verleugnend, „hehehe! sehe ich aus — sehe ich aus wie ein Commerzienrath?“