Wir hatten jetzt den sogenannten „Abschußplatz“ erreicht — eine schmale Wiese, hinter der die Netze standen, während die Treiber von beiden Seiten herbei drängten und vielleicht noch sechzig oder achtzig Hasen auf dem kaum hundert Schritt im Quadrat haltenden Raum herumliefen.
Ich selber hing natürlich die Flinte auf den Nacken, denn durch die Treiber konnte kein Hase mehr — wo sich einer durchpressen wollte, fingen sie ihn zwischen den Knieen, und in das Treiben hinein konnte und wollte ich nicht mehr schießen. Dafür blieb mir aber um so viel mehr Zeit, die Beendigung des Triebes zu beobachten, und ich mußte dabei besonders die Fertigkeit einiger Treiber bewundern, die nach den vorbeihetzenden Hasen mit ihren Stöcken so geschickt warfen, daß sie viele von diesen dermaßen hinter die Löffel trafen, um sie wie einen Sack niederzuwerfen.
Unten an den Netzen knallte es aber noch immer, und ich bemerkte dort jetzt zwei ebenfalls einzelne Schützen, die da ihren Stand gehabt. Einer von diesen hatte sein Gewehr schon so wie ich umgehangen und schoß nicht mehr. Der Andere, ein Herr in einem Ungrischen Pelz, schien aber noch in voller Thätigkeit.
Die armen Hasen, von der sie umgebenden Menschenmasse und dem Schießen und Schreien ganz verwirrt gemacht, versuchten allerdings noch hie und da durchzubrechen, sobald sie aber fanden, daß das nicht mehr ging, rannten sie sporenstreichs auf die Netze zu, und prallten mit solcher Gewalt gegen dieselben an, daß sie sich oft darin überschlugen, den Versuch durchzubrechen aber trotzdem in aller Angst erneuten. Gar nicht selten kam es auch dabei vor, das ein Hase mit dem Kopf in einer der Maschen hängen blieb, und dann gar kläglich strampelte, um wieder frei zu kommen. Viele wurden auf diese Art von den Treibern lebendig gefangen, und von uns Schützen hätte wohl Keiner daran gedacht, auf ein solches unglückliches Geschöpf zu schießen. Der Herr aber, von dem ich schon gesagt, mußte anderer Meinung sein, denn wo er einen solchen Hasen im Netz hängen sah, pirschte er sich rasch und vorsichtig auf sechs bis acht Schritt an, zielte sorgfältig und mit dem Krach der Flinte hing Lampe leblos in den ebenfalls mit zerschossenen Maschen. — Es war die reine Scharfrichterarbeit.
Was noch an gesunden Hasen eben ausgebrochen war, hatte der Herzog außer dem Trieb erlegt. Die angeschossenen Hasen wurden entweder durch die Treiber gefangen und mit einem Schlag hinter die Löffel getödtet, oder von den jetzt losgelassenen Hunden apportirt und das Treiben war beendet.
Die verschiedenen Hasen wurden jetzt von den Wagen abgeworfen und waidegerecht aufgelegt und zwar in zwei langen Reihen, während der Hofjägermeister daran niederschritt, und immer den zehnten ein Stück vorzog, um sie nachher leicht überzählen zu können. Das Resultat ergab 189 Stück für Se. Hoheit, 62 für mich, 71 für Herrn von R. und 56 für die beiden Herren am Netz, im Ganzen mit den von den Treibern todtgeschlagenen und angeschossen gefangenen 398 Stück. Dabei hatte die Jagd etwa um zwölf oder halb ein Uhr begonnen und war um drei Uhr beendet, also ein ganz anständiges Resultat.
Der Hauptzweck eines solchen Treibens ist nun allerdings, das meiste Wild einem einzigen oder doch nur wenigen Schützen zuzutreiben, und der Zweck wird vollständig erfüllt, aber es entspricht auch in jeder anderen Hinsicht den Anforderungen, die man an ein Hasentreiben stellen kann, daß nämlich soviel als möglich der Eingekreisten den verschiedenen Schützen zugetrieben werden und nicht zu viel durch die Treiber gehen.
Die Hasen scheinen bei diesen keilförmigen Treiben wirklich nur eine Richtung zu nehmen. Zuerst die Linie hinab den Netzen zu, in die viele blind hinein rennen. Kaum aber finden sie hier das Hinderniß, als sie auch wieder scharf umdrehen und nur in einzelnen Fällen seitwärts auszubrechen suchen. Selbst an den Netzen laufen sie nur kurze Strecken hin, wenden gewöhnlich sehr bald und laufen dann direkt der Spitze des Keils zu, die Treiberlinie oft in ihrer ganzen Länge bis auf zwanzig oder dreißig Schritt haltend.
Solche Jagden sind aber freilich durch die nöthigen Netze und große Anzahl von dazu erforderlichen Treibern ziemlich kostspielig, und deßhalb auch nur leicht von fürstlichen Herren auszuführen. Die gewöhnlichen Jagdinhaber werden es deßhalb auch wohl bei den gebräuchlichen Kessel- oder vielleicht Anlegetreiben lassen.