„Lieber Gott, was wollte sie machen,“ erwiderte achselzuckend der Schließer, der die Gegenstände gerade vom Herrn Director heruntergeholt hatte, „widersetzen durfte sie sich doch nicht, und anfangs war es freilich, als ob sie sie nicht hergeben wollte; aber auf einmal stand sie ganz still, nahm das schwarze Band ab, das ihr um den Hals hing, küßte das Kreuzchen und den Ring, und legte beides dann, ohne ein Wort weiter zu sagen, oder eine Thräne darum zu vergießen, auf den Tisch. — Derlei Leute machen sich aus so was nicht viel.“

„Und wie hat sich die Gefangene bis jetzt betragen?“

„Gegen ihr Betragen läßt sich nichts einwenden,“ meinte der Mann, „sie ist die Beste von Allen, und die Stillste und Fleißigste — der Herr Director sind auch sehr mit ihr zufrieden.“

Der „Herr Director“ kam jetzt selber und schien es nicht besonders gerne zu sehen, daß man eine von „seinen“ Gefangenen sprechen wolle, konnte es aber auch nicht gut einem Criminalbeamten, der noch dazu im speciellen Auftrag der obersten Justizbehörde in —* kam, abschlagen, und gab den Befehl, die Gefangene von ihrer Arbeit abzurufen und hierher zu bringen.

In dem kleinen Empfangszimmer, das aber ebenfalls mit starken, eisernen Stäben versehen war, saß die alte Dame, neben ihr und sie unterstützend stand der Offizier, und vor ihnen, um die ganze Verhandlung zu leiten, der alte Assessor.

Als das junge Mädchen das Zimmer betrat, blieb sie, wahrscheinlich einen weiteren Befehl erwartend, mit niedergeschlagenen Augen an der Thür stehen. Sie sah nicht allein bleich aus, sondern hatte besonders jene ungesunde, fahle Gesichtsfarbe, die, von der dumpfen Kerkerluft herrührend, den Gefangenen eigen ist.

Der Director hatte sein Buch neben sich liegen, in dem er den Namen nachsah, den die Gefangene früher geführt hatte.

„Edmunden,“ sagte er, „komm näher; hier ist ein Herr, der ein paar Fragen an Dich richten will.“

Das Mädchen gehorchte dem Befehl, ohne aber noch aufzusehen; fast wie mechanisch bewegte sie sich einige Schritte vor und blieb dann wieder stehen, um das Weitere zu erwarten.

„Kennst Du mich noch, Valerie?“ sagte da der alte Assessor freundlich.