„Er hat nämlich gestanden, daß nicht Du, sondern er das Feuer in Osterhagen angelegt habe, und ich frage Dich jetzt, weshalb Du Dich damals als Thäterin eines Verbrechens angeklagt, das Du gar nicht begangen zu haben scheinst?“
„Der alte Brenner?“ frug aber plötzlich Valerie, und in dem Moment war jedes andere Bild aus ihrem Herzen verschwunden, und nur die Erinnerung an jenen Abend tauchte hell und klar darin auf. — „Der alte Brenner hat den Schulzenhof angezündet? Der war ja krank und lag in seinem Bett.“
„Krank gestellt hat er sich, ja, aber er war vollkommen gesund und munter, und weil die Leute nicht wußten, daß er sich regen könnte, fiel auch kein Verdacht auf ihn. Man glaubte auch deshalb damals, daß Du die That begangen hättest, weil Du von des Schulzen Frau so schlecht behandelt worden.“
Der Assessor schwieg, weil er meinte, daß die Gefangene jetzt etwas darauf erwidern würde; aber er hatte sich abermals geirrt. Valerie entgegnete keine Silbe und nahm auch die Augen nicht mehr vom Boden empor.
„Beantworte mir die Frage, Kind,“ sagte da der Assessor endlich; „wie kommst Du dazu, daß Du Dich damals zu der That bekanntest? Ist es denn nicht besser, frei zu sein, als in einer solchen Anstalt eingesperrt zu bleiben?“
„Ich hab’ es gethan,“ flüsterte da Valerie leise — „lassen Sie mich wieder fort zu meiner Arbeit — der alte Brenner war es nicht.“
„Valerie!“ rief da plötzlich die Dame, die sich nicht mehr halten konnte, indem sie ihre Arme ausbreitete, auf das erschreckt zu ihr emporschauende Mädchen zuflog und sie mit wilder Heftigkeit umschlang — „unglückliches Kind meiner verlorenen, armen Schwester — o, sprich die Wahrheit — sprich die Wahrheit — hast Du es gethan?“
Valerie duldete schweigend die Umarmung; sie war womöglich noch bleicher geworden als vorher, und stand wie in einem halben Traum. Seit ihrer Mutter Tode, die langen langen Jahre hindurch, hatte sie Niemand an das Herz gedrückt und geküßt — Niemand sie liebend umfangen — wachte sie denn oder träumte sie — die fremde Frau hatte gesagt: Kind meiner verlorenen Schwester! War denn das — —?