„Das also ist die Dame“, nickte der Offizier; „die scheint denn allerdings schon auf Erden die Strafe für Alles erhalten zu haben, was sie an Dir, Du armes Herz, verübt: aber mit dieser Person wollen wir uns nicht aufhalten. Wie hieß die Frau, nach der Du fragen wolltest.“
„Kunze“, flüsterte seine Begleiterin.
„Lebt hier im Hause noch eine alte Frau Kunze?“ wandte sich jetzt der Fremde an die auf der Schwelle kauernde Gestalt.
„Hier im Haus?“ knurrte diese, mit einem tückischen Blick nach dem Frager — „hier im Haus lebt Niemand als ich — Alles ist todt, Alles begraben aus dem öden Nest, und wenn Sie mich besuchen wollen, so müssen Sie Nachmittags zum Kaffee kommen.“
„Aber die Frau mit den beiden Kindern“, rief Valerie erschreckt, „die kann doch nicht gestorben sein.“
„Nein“, lachte die Alte — „die ist blos verrückt geworden, und die Kinder sind in die Ziehe gegeben.“
„Großer allmächtiger Gott!“
„Ja, was hat der liebe Gott damit zu thun,“ höhnte die Halbtrunkene. „Wer hier im Hause wohnt, muß verrückt werden, und ich werde mich auch nächstens anmelden — reif bin ich schon.“
„Und wer hat die Kinder aufgenommen?“
„Wer? — nun die alte Deckern war albern genug dazu. Die quält sich jetzt mit den Bälgern herum, und hat selber kaum das liebe Brod.“