„Wie ist es, Vater, warst Du drüben bei ihm?“

„Ja, Kind.“

„Und hast Du mit ihm gesprochen? o, komm’ herein und erzähle mir Alles, was er geantwortet hat.“

„’s ist Alles gut, Rosel,“ sagte der Wirth, indem er zu ihr in’s Zimmer trat und sie auf die Stirn küßte — er mochte ihr nicht dabei in’s Auge sehen, „ich hab’ mit ihm geredet, er hat’s eingesehen und wir wollen jetzt unser Möglichstes thun, um Alles, was noch von der Sache übrig ist, aus dem Weg zu schaffen. Noch weiß kein Mensch davon, als Du, und soll auch hoffentlich nie Jemand weiter davon erfahren.“

„Und der Fremde, was wird mit ihm?“ sagte Rosel und richtete sich rasch empor, um ihren Vater anzusehen.

„Er — er hat sich mit Franz gezankt,“ log der Vater, „weil er’s noch nicht aufgeben mochte. Als ihm der Junge aber erklärte, daß er mit der Sache nichts weiter zu thun haben wollte, meint’ er, dann ginge er nach Frankreich hinüber und versucht’s auf eigene Hand.“

„Laß ihn, Vater, o laß ihn gehen,“ bat das Mädchen, „sieh’, ich will arbeiten, daß mir das Blut unter den Nägeln vorspritzt. Ich kann arbeiten; ich hab’s von Jugend auf getrieben und nichts Anderes in meiner Jugend gelernt. Und wie gern thu’ ich’s,“ setzte sie mit wehmüthigem Lächeln hinzu, indem sie ihr Haupt an seine Brust lehnte, „wenn es dann nur ehrliches Brod ist, was wir essen. Es wird auch gehen, Vater, habe nur guten Muth; Du bist jetzt so gut, Du trinkst nicht mehr und stehst Deinem Geschäft so ordentlich vor, daß Dich alle Menschen d’rum lieb haben; wir müssen uns vielleicht ein Bischen einschränken, aber was thut das? Die Bärbel brauchen wir auch nicht mehr in der Schenkstube, sie ist ein gutes Mädel, aber doch lässig, und man muß ihr fast die halbe Arbeit noch einmal nachmachen, das kann ich auch allein verrichten, und pass’ einmal auf, Deine Gäste sollen sich gewiß nicht beklagen, daß sie langsam bedient würden.“

„Meine gute Rosel,“ sagte der Vater, denn die kindliche Sorgfalt der Tochter stach ihm wie ein Messer in’s Herz und die Scham vor sich selbst trieb ihm das Blut in die Schläfe, „Du bist ein braves Kind, ganz wie Deine selige Mutter, so gut und fromm.“

„O, denk’ recht oft an die selige Mutter, Vater,“ bat das junge Mädchens, sich fester an ihn schmiegend, „recht, recht oft, Du weißt ja, wie lieb sie Dich und mich gehabt und wie schwer ihr das Sterben wurde, weil sie mich zurücklassen mußte und sich so um mich sorgte; denk’ recht oft an sie! willst Du mir das versprechen, Vater?“

„Ja, Rosel, ich will’s,“ flüsterte der Mann und wandte den Kopf ab, denn er fühlte, daß er jetzt ihren Blick nicht ertragen hätte.