Zu gleicher Zeit wurde Polizei nach dem Hause der beiden Graveure Jochus und Brendel gesandt, sie trafen aber noch Niemanden daheim und postirten sich dann, ohne Lärm zu machen, in der Nachbarschaft. Die Gensd’armen waren direct vor das Wirthshaus zum Burgverließ geritten. Rosel stand gerade in der Thür, als sie hielten, und jeder Blutstropfen mußte ihr Antlitz verlassen haben, denn sie sah blaß aus wie eine Leiche. Aber jede Schwäche war auch von ihr gewichen, denn seit heute Morgen wußte sie, was kommen mußte. Daß es etwas früher kam, als sie erwartet haben mochte, konnte sie nicht überraschen. Sie beantwortete die Fragen nach ihrem Vater ruhig und gefaßt: er habe heute Morgen das Haus verlassen und sei noch nicht zurückgekehrt; wo er sich aufhalte könne sie nicht sagen, vielleicht drüben in Hellenhof, bei ihrem Bruder.

„Thun Sie Ihre Pflicht,“ sagte sie seufzend zu den Gensd’armen, die ihr das Bedauern aussprachen, das Haus besetzen zu müssen, „ich kann’s nicht hindern, und wenn ich’s könnte,“ setzte sie leise und scheu hinzu, „weiß ich nicht einmal, ob ich’s thäte.“

Damit ging sie in ihr Zimmer hinauf, setzte sich an’s Fenster und starrte still und schweigend, doch mit thränenlosen Augen, nach der alten Ruine hinauf, deren halbverfallenen Thurm sie von dort aus deutlich durch die Wipfel der Büsche und Obstbäume unterscheiden konnte.

Neuntes Kapitel.
Schluß.

Indessen verfolgten die drei Verbrecher ihre verschiedenen Bahnen, die sie an den Schauplatz ihrer Thätigkeit — und zwar zum letzten Male — zusammenführen sollten. Anfangs hatten sie sich völlig Zeit genommen und Brendel selber war in einem mäßigen Schritt, doch düster brütend vorwärts gewandert. Aber je länger er sich seinen alten Erinnerungen überließ, desto mehr trieb ihn die Angst vor Entdeckung weiter und zuletzt eilte er in einer solchen Hast vorwärts, daß ihm Franz kaum zu folgen vermochte.

„Zum Teufel,“ rief dieser endlich ärgerlich, „was hetzest Du denn nur so furchtbar heute Morgen? So eilig ist die Geschichte nicht, daß wir uns unnöthiger Weise den Athem aus der Seele laufen sollten.“

„Wir sind Thoren gewesen,“ knirschte Brendel zwischen den Zähnen durch, „daß wir uns so lange Zeit genommen haben, und mir hat geahnt, wie es noch Alles kommen würde.“

„Aber was ist denn eigentlich gekommen?“ rief Franz ärgerlich. „Sie haben irgend Jemanden dabei ertappt, falsche Banknoten auszugeben, das ist Alles, und was wollen sie machen, wenn er nicht gesteht? Indeß wirklich den schlimmsten Fall angenommen, daß er gestände, was er weiß, so verräth er doch unser Versteck nicht, das Niemand weiter kennt, als wir selber. Wie ich’s mir unterwegs überlegt habe, glaub’ ich, es wäre am Ende gar das Beste, wir ließen Alles dort oben ruhig, wie es steht, denn kein Mensch denkt an die alte Ruine, um dort Nachsuchung zu halten.“

„Und Deine Schwester kennt unser Geheimniß wohl nicht?“