„Soll ich's dir sagen, oder glaubst du gar, ich sei blind und hätte den Blick nicht gesehen, den das Mädchen gestern auf dich warf, als ich sie des Diebstahls beschuldigte?“
„Auf mich?“
„Auf dich, hab' ich gesagt, und wagtest du heute, der Dirne mit einer Klage gegenüber zu treten, würfe sie dir entgegen, daß du ihr das Tuch geschenkt.“
„Aber liebe, beste Marie!“
„Das Tuch geschenkt, sag' ich!“ rief die Frau, mehr und mehr in eifersüchtigen Zorn gerathend, da die augenscheinliche Verlegenheit des Mannes ihren Verdacht nur mehr und mehr bestätigte. „Und wenn du mir das Gegentheil jetzt nicht beweisest, so schwör' ich dir, so wahr ich Marie heiße und das Unglück habe, dein Weib zu sein, das Schiff hier zu verlassen und am Lande Schutz zu suchen.“
„Aber Marie, so nimm doch nur Vernunft an!“ bat der Capitain.
„Und weigerst du dich, auch mich an Land zu setzen, dann, bei dem ewigen Gott, spring ich über Bord und mache diesem Leben, das doch von da an nur Qual und Elend für mich haben müßte, ein rasches Ende. – Verrathen und betrogen – lieber nicht leben, als mit der Gewißheit dem Grabe langsamer aber ebenso sicher entgegen sehen.“
„Aber so sprich doch nur vernünftig!“ rief Van Soeken, so gewissermaßen zur Verzweiflung getrieben. „Wenn dir das Schiff selber so wenig am Herzen liegt, einer solchen Bagatelle, einer wahnsinnigen Idee wegen Wind und Strömung zu versäumen, gut, so sag' mir wenigstens, was du verlangst und eile damit.“
„Was ich verlange?“ rief rasch triumphirend die Frau, „augenblicklich mit dir an Land zu fahren und Zeuge der Gerichtsverhandlung zu sein.“
„Du mit mir? weshalb? – Einer genügt vollkommen, und wenn du es verlangst und wenn es dich beruhigt, will ich hinüber fahren, die Klage einlegen und dir das Tuch, an dem dein Herz so hängt, zurückbringen.“