In der Thür der Hütte begegnete ihr aber schon der Vater, der eben, noch freudestrahlend, von Tji-dasang zurückgekehrt war und den Augenblick nicht erwarten zu können schien, wo er der Tochter die Freudenbotschaft mittheilen sollte.
„Was hast du, Vater?“ rief das Mädchen, dem die fröhliche Bewegung in dem sonst ziemlich mürrischen, einsilbigen Alten nicht entgangen war, und mitten im Gang hielt sie, die Hände zur Stütze auf die Hüften stemmend, an, daß die beiden Bambusröhren langsam herüber und hinüber schwankten. „Was hast du, Vater? Es ist doch nicht –“ und das Blut schoß ihr in diesem Augenblick vor freudigem Schreck in Wangen und Schläfe, als sie daran dachte, daß vielleicht Maono, der brave arme Bursch, hier bei ihrem Vater gewesen wäre und – sie konnte keinen Gedanken ausdenken, so wirr und toll schwirrten ihr die Vermuthungen durch den Kopf. Und so treu und rein war dabei der Jungfrau Seele, daß kein schlimmer Verdacht, keine Furcht den Spiegel ihres Herzens trüben machte. Lachte doch ihr Vater, und das konnte ja nur Gutes für die Tochter deuten.
„Freu' dich mit mir, Laykas!“ rief ihr dieser, als er sie halten sah, entgegen, „freu' dich mit deinen Eltern, denn dein und ihr Glück ist gemacht.“
„Maono?“ war alles, was Laykas herausbringen konnte, und sie fühlte dabei, wie roth sie wurde.
„Maono?“ meinte der Alte, verächtlich mit den Schultern zuckend, während sich doch ein verschmitztes Lächeln über seine Züge stahl, „wer ist Maono? So viel für den! Hat er doch nicht Reis genug für den morgenden Tag und steckt nicht umsonst da mitten im Walde, um von Früchten und Waldfleisch sein Leben zu fristen! Laykas ist für etwas Besseres aufbewahrt.“
„Für Besseres, Vater?“ sagte das Mädchen leise, und die mit Wasser gefüllten Bambus wurden ihr in dem Augenblick so schwer, als ob sie sich in Blei verwandelt hätten. Kaum konnte sie mit ihnen den letzten Gang bis zur Hütte ersteigen. „Für was Besseres, Vater?“ wiederholte sie hier noch einmal. „Ich verlange nichts Besseres von Allah – möge er es mir gewähren.“
„Nichts Besseres?“ lachte aber der Alte und konnte sich gar nicht wieder zufrieden geben. „Wenn die Kinder nicht wissen, was ihnen gut ist, müssen's die Alten soviel besser verstehen. Aber hör', Laykas was ich dir sagen will, und fasse dich, denn solche Freude und Ehre wirst du nicht erwartet haben.“
„Freude? – Ehre?“ rief das arme Mädchen erstaunt und eingeschüchtert, denn bei all den Vorbereitungen begann ihr nichts Gutes zu ahnen.
„Nun, ich will dich nicht länger zappeln lassen,“ schmunzelte der Alte; „so höre denn, Schang-hai hat dich von mir zum Weib begehrt.“
„Schang-hai?“ rief Laykas, und der Stab glitt von ihrer Schulter nieder, daß die beiden Bambus umfielen und das Wasser in sprudelndem Quell wieder den Berg hinunterschickten.