„Und sollen wir hier unser Haus bauen in späterer Zeit?“ flüsterte der junge Mann, näher zu ihr hintretend und die Hand ausstreckend, die ihrige zu ergreifen.

„Wir?“ wiederholte die Jungfrau erstaunt.

„Zögert nicht länger wie nöthig ist, Captain dear!“ rief aber in diesem Augenblick der Mate oder Harpunier warnend, „ich habe da oben auf dem Hügel eine Gestalt gesehen und die Canoes, die wir von Deck aus sahen, könnten auch bald hier sein, wenn sie beabsichtigt hätten, hier herzulaufen.“

„Es ist wahr, George,“ rief der Capitain zurück, „ich habe überdies schon zuviel Zeit verloren,“ und sich rasch zu der Geliebten drehend, sagte er schmeichelnd:

„Komm mit mir, Hua – da draußen liegt mein Schiff, in wenigen Minuten setzen wir die Segel und frisch und fröhlich ziehen wir hinaus in die freie, offene See – meine Seele hängt an dir, Mädchen, und ich kann nicht ohne dich leben.

„Zurück, Pagalangi,“ rief aber Hua, zum erstenmal vielleicht erschreckt, als er dreister auf sie zutrat und seinen Arm um sie zu legen suchte; „zurück, taima tangata – eines Häuptlings Tochter ist für dich zu gut; such' dir ein Weib unter den Dirnen des Landes.“

„Meinest du, Herz?“ rief der junge Mann jetzt, dem Zorn und beleidigte Eitelkeit das Blut in die Wangen jagte, „dann will ich doch sehen, ob du an Bord dieselbe Sprache hast!“ und mit raschem Sprung die Sträubende umfassend, ehe sie selbst im Stande war um Hilfe zu rufen, hob er sie vom Boden auf, und floh mit ihr dem vielleicht hundert Schritte davon entfernten Boote zu.

„Hilfe! Hilfe!“ schrie jetzt das arme Mädchen, die erst in dem Entsetzen der Gefahr, als sie das Boot vor sich sah und ihr Schicksal ahnte, die Sprache wieder fand. „Hilfe, Toanonga, zu Hilfe – zu Hilfe deinem Kinde!“

„Sie hören dich nicht, Liebchen,“ lachte aber der junge kecke Seemann, seine süße Last nur schneller dem Ziele zuführend; „dein Ruf dringt zu spät an ihr Ohr.“

„Habt Acht, Capitain!“ rief aber in dem Augenblick der Harpunier, der mit dem Steuerriemen in der Hand hinten im Boot gestanden, den Befehl zum Abstoßen zu geben, so rasch ihre Beute geborgen sei, und der jetzt zwei junge [Burschen] aus den nächsten Büschen herausbrechen und dem Mädchenräuber folgen sah; „habt Acht, sie sind hinter euch!“ Silwitch hatte aber, an keine Verfolgung denkend, nur Auge und Ohr für sein erobertes Glück, und der junge, riesige Ire, die Gefahr von dem Haupt des Capitains abzuwenden, flog unbewaffnet wie er war, mit einem Satz so nahe er konnte, an Land, in die klare und hier seichte Fluth hinein, unbekümmert, ob sie hier einem ungleichen Kampf entgegengingen, warfen sich auch die beiden jungen Indianer auf den Capitain, ihres Häuptlings Tochter aus seinem Griff zu retten. Der Ire aber zwischen den Capitain und seine Verfolger springend, ergriff den ersten beim Arm und schleuderte ihn wie ein Kind zur Seite, während er den Zweiten, stärkeren der einen Schlag nach ihm führen wollte, mit sicher gezieltem und geübtem Stoß so derb zwischen die Augen traf, daß er betäubt und regungslos zu Boden schlug.