„Freie Bahn!“ rief da der junge Capitain in lustigstem Übermuth, seinen Hut gegen die noch immer unverdrossen heranschäumenden Canoes schwenkend, indeß der Bug seines eigenen Fahrzeugs, die Segel von der frisch und stark aufkommenden Brise gebläht, durch die krystallene Fluth schoß und die klaren Wellen zu beiden Borden spritzend abwarf. – „Freie Bahn! und nun auf Wiedersehn, vielleicht für nächstes Jahr. Armer Tai manavachi!“ setzte er dann lächelnd hinzu, als er noch einen Blick auf die Canoes warf, ehe er von der Back hinunter sprang, „wenn du wirklich da drin bist, thust du mir wahrhaftig leid, so, nur wenige Minuten, die Zeit, versäumt zu haben. Hättest du nicht so lange Siesta gehalten, vielleicht läge die Braut jetzt in deinen Armen, statt in meiner Cajüte. Zu spät nun deine Anstrengungen, mein Tapferer, zieh deine Ruder ein, tollköpfiger Bursch, oder das Wetter da drüben schneidet dir auch zum Land zurück die Straße ab?

Nun, meinetwegen,“ setzte er nach einer kleinen Pause hinzu, währenddem er zu seinem Erstaunen sah, wie die Canoes wirklich die Passage in offener See forcirten und dem drohenden Himmel und der trostlosen Aussicht auf Erfolg zum Trotz die Verfolgung noch nicht aufgegeben zu haben schienen, „wenn ihr's nicht besser haben wollt, so kann mir's recht sein; Nebenbuhler sind überdies gefährliche Gesellen,“ und an Deck hinunterspringend und die jetzt zurückbleibenden Canoes keines Blickes weiter würdigend, ging er wieder nach aft (hinten), dort die nöthigen Befehle zu geben, einen Theil der Segel wieder zu bergen und für ein doch mögliches Unwetter, das in diesen Breiten oft einen furchtbaren Charakter annehmen kann, wenigstens vorbereitet zu sein.

Die „Lucy Walker“ ließ die Insel, jetzt vor dem Wind laufend, rasch hinter sich, und vor ihnen war an dem, im Abendschein klar abgeschnittenen Horizont kein Land mehr sichtbar.

5.

„Zum Teufel noch einmal, Legs,“ sagte Pfeife mit seiner feinen, quitschigen Stimme, als die eine Wacht ins Logis beordert war, rasch ihr [Abendbrot] einzunehmen, um an Deck bereit zu sein, wenn das Wetter die ganze Mannschaft oben verlangte, indem er an seinen indessen kalt gewordenen Bananen kaute, „das riecht mir schon seit einer Weile so verdammt brandig hier unten – hast du noch Nichts gemerkt?“

„Mir ist's auch schon so vorgekommen,“ rief der Schotte jetzt rasch, der in tödlicher Ungeduld wie auf Kohlen gestanden und nur nicht gewagt hatte, selber das erste Wort darüber zu sagen. Wäre er sich seines Verbrechens nicht bewußt gewesen, würde er gar nicht daran gedacht haben, in der ersten Entdeckung ein Zeichen zur Anklage zu finden; „weiß der Henker, wo's herkommt, aber es riecht versengt und wir lassen Spunt lieber einmal nachsehen.“

„Wo?“ frug Spunt, wie der Böttcher auf Wallfischfängern gewöhnlich genannt wird.

„Nun, hier unten in den Ecken, oder wenn da nichts ist, unter Deck,“ sagte Douglas ausweichend.

„Na, hier werdet Ihr doch wohl auch selber die Nasen in die unteren Koyen bringen können,“ knurrte der Böttcher, der eben an einer höchst wohlschmeckenden Schweinsrippe kaute, „Spunt – immer nur Spunt; Spunt muß bei Allem dabei sein und damit seid Ihr gleich fertig.“

„Alle an Deck!“ schrie da die gellende Stimme des Harpuniers, der zugleich mit einer aufgegriffenen Handspake auf die Logisluke schlug, seinen Worten größeren Nachdruck zu geben; „Alle an Deck da unten und reefen[22], herauf mit Euch, herauf!“