»Wo?« fragte er und trat dicht an den Räuber heran.
»Dort drü–«
Er beendete seine Worte nicht, denn Jim, im Triebe der Selbsterhaltung, warf sich auf ihn, ergriff mit der einen Hand die Muskete, mit dem anderen Arme umschlang er den von ihm Abprallenden und stieß dazu ein gellendes Hülfegeschrei aus.
Tolmer hatte indessen von da, wo er lag, die Beiden kommen sehen und ahnte leicht den Zusammenhang, war aber auch nicht im Stande, irgend etwas Anderes zu thun, als still und regungslos liegen zu bleiben. Er wußte recht gut, daß der Buschrähndscher augenblicklich einen Hinterhalt vermuthen würde, so wie er das Geringste sich bewegen sähe, und seine einzige Aussicht auf Erfolg war, ihn so nahe als irgend möglich herankommen zu lassen. Einmal erst nur an den Außenposten vorbei, und er konnte ihnen doch nicht mehr entgehen.
Der schlaue Buschrähndscher ließ sich aber nicht so leicht überlisten, und nur erst der drohende und verzweifelte Angriff des Hutkeeper's schien alle seine Vorsicht unnütz gemacht zu haben.
Bei dem Hülfeschreien desselben sprangen nämlich die versteckten Polizeisoldaten fast zugleich aus ihrem Hinterhalte in die Höhe. Tolmer selbst lief, was er laufen konnte, der Stelle zu, wo Jim Riddle sich an den Buschrähndscher angeklammert hatte und dieser ihn vergebens von seinen Füßen und auf die Erde zu bringen suchte. Dem Sträfling lag vor allen Dingen daran, sein Gewehr frei zu bekommen, und in der ersten Ueberraschung des Angriffs hatte er nicht einmal die von allen Seiten auftauchenden Feinde bemerkt. Ein einziger Blick auf die herbeispringenden Gestalten genügte aber, ihm die ganze Gefahr seiner Lage zu verrathen, und mit einem wilden Fluge den Hutkeeper mit der Faust gegen die Stirn schlagend, daß dieser halb betäubt in seinem Griffe nachließ, gelang es ihm wenigstens, sich von dem ihn umklammernden Arme für einen Augenblick frei zu machen – aber das Gewehr ließ Jim nicht los.
Wieder führte der Buschrähndscher einen wilden Hieb nach den Schläfen des jungen Burschen, der ihm hätte verderblich werden können. Jim aber verstand genug von der edeln Kunst der »Selbstvertheidigung«, den Schlag zu pariren, und rechts und links sprangen jetzt die Feinde herbei, ihm den Weg nach beiden Seiten abzuschneiden. Er mußte fliehen, und während er die Muskete losließ und Jim, der mit aller Kraft daran zog, hinten überstürzte, sprang der Buschrähndscher schräg ab den nächsten Bäumen zu, die er in wenigen Sätzen erreichte und nun zwischen sich und seinen Verfolgern behielt, um vor ihren Kugeln geschützt zu sein.
»Feuer!« schrie Tolmer, der für einen erfolgreichen Schrotschuß noch zu weit entfernt war, »Feuer!«
Die Polizeisoldaten hatten bis jetzt nicht schießen dürfen, da sie eben so leicht den Buschrähndscher, wie den Hutkeeper treffen konnten. Jetzt, da sie Beide getrennt sahen, sprangen sie zur Seite, freies Ziel auf den Flüchtigen zu bekommen, und zwei oder drei Kugeln knallten hinter ihm drein. Einmal war es, als ob er getroffen wäre. Er »zeichnete«, wie die Jäger sagen, aber es war nur ein Moment; im nächsten Augenblicke warf er sich in ein dickes Gebüsch, das ihn vollständig verbarg, und alles weitere Suchen dort nach ihm blieb erfolglos. Er war und blieb verschwunden.
Wohl hatte ihn Jim, da er ihm die Waffe entrissen, für den Augenblick unschädlich gemacht, aber wie leicht konnte sich der verwegene Mensch eine andere Flinte verschaffen, und daß er dann an dem armen Teufel von Hutkeeper Rache nehmen würde, war gewiß. Jim Riddle stand auch, wie er das Resultat erfuhr, rathlos und sich hinter dem Ohr kratzend neben dem erbeuteten Gewehr und meinte: