»Alle Teufel!« brummte John leise vor sich hin, »das ist um vierundzwanzig Stunden zu früh, läßt sich aber jetzt nicht ändern. Die Burschen sollen uns wenigstens nicht unvorbereitet finden. Wecke die Deinen, Bukkul!«

Ein scharfer Pfiff, den er zugleich ausstieß, schallte gellend durch den stillen Wald und brachte im Nu die schlafenden Buschrähndscher auf die Füße. War es doch das Alarmzeichen ihrer Schaar, und die Bande sich der Gefahr, in der sie fortwährend schwebte, viel zu gut bewußt, die Warnung auch nur für einen Moment unbeachtet zu lassen.

Im Nu fuhren sie von ihren harten Lagern empor, und, ihre Taschen umgehängt, die Gewehre in ihren Händen, sammelten sie sich um ihren Führer, der indessen schon einige der jungen Leute von den Eingebornen ausgeschickt hatte, das Vorrücken der Feinde zu beobachten.

Gentleman John übrigens, so viel persönlichen Muth er auch selber besaß, fühlte doch viel zu gut das Mißliche seiner Lage, und war keineswegs blind genug, sich über das Gefährliche derselben auch nur einen Augenblick zu täuschen. Andere Kundschafter waren noch angekommen, deren Berichten nach sich die wider ihn ausgesandte Macht auf nahe an hundert Mann belief, und wenn er denen gegenüber leicht eine gleiche Zahl in's Feld stellen konnte, wußte er doch recht gut, daß er sich nicht einmal ganz fest auf seine weißen Cameraden verlassen durfte, während die Schwarzen bei der ersten Salve davon liefen, oder doch den sichern Busch zur Deckung suchten.

Außerdem konnte, von dem Versprechen freien Pardons und der goldenen Belohnung verblendet, selbst während des Kampfes leicht Einer der Seinigen sein Verräther werden, und ihrer aller Untergang wäre dann gewiß gewesen. Das ja ist das Unglück des Verbrechers, daß er Niemandem, selbst seinen Helfershelfern nicht mehr trauen darf, und in der ganzen Menschheit seinen Feind nur sieht. Auf einen gleichen Kampf mit der Polizei hätte er es deßhalb auch gern und rasch gewagt; die Verzweiflung stählt den Arm des Kämpfenden, und Verzweifelte waren es hier, denen selbst der Sieg nur eine Galgenfrist bieten konnte. Jetzt aber, wo er die Uebermacht auf Seiten seiner Feinde wußte, und der Arm eines einzigen Verräthers ihn leicht in ihre Hände, in die Hände des Henkers liefern konnte, mußte er sich den Rücken decken.

Rasch gab er deßhalb seine Befehle, einen kleinen Theil der Vorräthe in das versteckte Boot zu schaffen, während er die Schaar, auf die er sich am sichersten glaubte verlassen zu können, in die Nähe desselben, hinter eine rasch von herunter gebrochenen Zweigen und herzugewälzten Stämmen aufgeworfene Barricade postirte. Seine ganze Mannschaft theilte er dann in drei Trupps, die das Terrain nach besten Kräften benutzen und einander mit ihren Gewehren decken sollten. Solcher Art hoffte er den Ueberfall, der jeden Augenblick stattfinden konnte, wenigstens so lange aufzuhalten, bis er sein Boot flott und segelfertig hatte, und der breite, hier ziemlich rasch strömende Fluß mochte ihn dann der Freiheit entgegen führen.

Rasch und willig führten die Buschrähndscher selber die ihnen gegebenen Befehle aus, denn auch ihnen lag weit mehr daran, ihre Haut in Sicherheit zu bringen, als einen langen und ernsthaften Kampf mit den disciplinirten Gegnern zu bestehen. Mit mißtrauischen Blicken betrachteten dagegen die Schwarzen das eilige Instandsetzen des Bootes; denn rasch genug begriffen sie, daß ihre weißen Bundesgenossen dasselbe zur Flucht benutzen wollten. Das kleine Fahrzeug konnte aber, schwerbeladen wie es war, kaum diese alle aufnehmen, und was sollte da aus ihnen werden. Der weiße Häuptling, ihrem Stamm durch eine ihrer Töchter verwandt, durfte sie nicht verlassen, und doch traf er dazu jetzt alle Vorbereitungen.

Bukkul, Einer der Burkas oder Stammältesten, der Vater von Lloko, Gentleman John's Frau, wurde denn auch von seinem Stamm abgesandt, des Weißen Plan zu erfahren, und die erste Frage nur, die er an den schlauen Räuber richtete, warnte diesen vor der neuen auftauchenden Gefahr.

»Das Boot, Bukkul?« sagte John, »sollen wir das etwa den Rothjacken überlassen? und eben so all' das Brod und Fleisch, und den Brandy, der hier aufgehäuft liegt? – Wenn wir zurück müssen in den Busch, können wir doch nicht Alles auf unseren Schultern tragen, und wenn wir wieder hierher kommen, wollen wir wieder essen und trinken.«

»Und wohin will Johnny mit dem Boote gehen?« fragte der Alte.