John Wells, der mit ihm zurückgekehrt, war den Verbrechern mit Cook und noch einigen andern zur Begleitung nachgeeilt, um sich nur wenigstens der Richtung zu vergewissern, in der sie geflohen wären. Daß ein Canoe unten an der Landung lag, hatten sie gar nicht beachtet, und die beiden dabei gestörten Räuber sich wohl gehütet, aus den Büschen herauszukommen, in welche sie sich bei der Ankunft des Dampfers zurückgezogen. Jetzt erst, als dieser vorüber war, drückten diese sich wieder in ihr schwankes Fahrzeug, und Jenkins eigenes Canoe ebenfalls abschneidend, nahmen sie es mit stromab zu dem schon früher mit den Genossen besprochenen Versteck. Dadurch machten sie eine Verfolgung auf dem Strom vor der Hand unmöglich, und daß sie im Wald niemand finden sollte, dafür wollten sie schon Sorge tragen.

Nach einer Stunde etwa kehrte der junge Wells zurück. Da sie ohne Pferde waren, hätte es ihnen ja gar nichts geholfen, eine Verfolgung aufzunehmen, noch dazu, da sich die Jay-hawker in der bedeutenden Mehrzahl befanden und doch außer Zweifel alle gut bewaffnet waren. Jim war indessen um seine ohnmächtig gewordene Mutter bemüht, die er anfangs ebenfalls für todt hielt, aber unter seinen Liebkosungen erholte sich die alte Frau wieder, und Betsy, die in der Nähe und unter dem Schutz des Bruders und Bräutigams rasch jede Furcht verlor, war, nachdem sie sich umgekleidet, an seiner Seite.

Und jetzt mußte sie erzählen, was hier in den letzten Monden vorgefallen – eine ununterbrochene Schreckensgeschichte von Mord und Blut, und John Wells stand dabei, die Zähne fest aufeinander gebissen, das Antlitz vollkommen blutleer, die Augen stier und fast geisterhaft auf den Mund der Sprechenden geheftet.

Und woher sie selber kamen? Mit wenigen Worten war das berichtet. Sie hatten sich dem Heer zutheilen lassen, das bestimmt war, Little Rock zu nehmen. Nur so konnten sie hoffen, dem nichtswürdigen Treiben der Sesesch-Partei in Arkansas rasch ein Ende machen zu helfen. Die Eroberung war aber leicht gewesen und als sie – in Little Rock angekommen – die Kunde von zahlreichen hier verübten Verbrechen hörten, hatten sie Urlaub genommen, um die Ihrigen selber zu besuchen und zu hören, wie es hier stehe. Das Furchtbare freilich konnten sie nicht erwarten.

Aber es waren keine Naturen, die sich lange einem nutzlosen Schmerz hingegeben hätten. Vor allen Dingen mußten sie Pferde haben, um an irgend eine Verfolgung denken zu können und auf der eigenen Farm fanden sie auch kein einziges Stück Vieh mehr. Die Jayhawker mit ihrer, wie es schien, weitverzweigten Verbindung, hatten schon Alles, was sie erreichen konnten, fortgetrieben und nicht einmal vermuthen ließ es sich, nach welcher Richtung sie die verschiedenen gestohlenen Thiere geschafft hatten. Klingelhöffer allein, als ziemlich nächster Nachbar konnte da vielleicht aushelfen und John Wells übernahm es, ihm die Trauerkunde von dem Tod seines alten Freundes Jenkins zu bringen, um seine Hülfe in der Verfolgung der Räuber zu erbitten.

Jim indessen, von den Freunden dabei unterstützt, schaufelte ein Grab für den Vater in seinem kleinen Garten aus, dann legten sie den alten wackeren Mann hinein, breiteten Bretter und Stützen über ihn, daß die eingeworfene Erde nicht auf die Leiche pressen konnte und wölbten den Hügel über der einfachen Gruft.

Kein Wort wurde dabei gesprochen, kaum noch eine Thräne von den Männern vergossen, denen jetzt nur das nagende Gefühl der Rache das Herz zusammenzog, und der Gedanke verscheuchte unerbittlich alle anderen. Allerdings waren sie sich noch nicht klar, wie sie den gemeinsamen Feind erreichen konnten, aber was that das? Ihr ganzes Leben hatte jetzt kein anderes Ziel und wie der Bluthund auf der Fährte waren sie fest entschlossen, nicht nachzulassen bis an's Ende.

Abends kehrte John Wells zurück. Klingelhöffer stellte ihnen alle seine Pferde zur Verfügung und würde sie selber begleitet haben, aber ein heftiger Rheumatismus hatte ihn wieder auf sein Lager geworfen, um das herum aber nichts destoweniger seine geladenen Gewehre standen. Er schwur, daß er so lange schießen werde, als er noch einen Finger krumm biegen könne, und dann möchten sie ihm selber den Hals abschneiden und verdammt sein.

Die einzige Hülfe, die sie noch erwarten konnten, lag in Perryville selber, an das sich die Räuber natürlich nicht getrauten, wenn sie auch in der Nähe herum Alles an Pferden gestohlen hatten, was sie nur bekommen konnten. Die jungen Backwoodsmen aber durften keinen von ihrer kleinen Schaar dorthin senden, um sich nicht zu schwächen und Jenkins jüngster Bruder, ein Knabe von zehn Jahren, der bei dem Ueberfall gerade im Walde gewesen, wurde deshalb abgeschickt. Allerdings war es eine starke Tagereise für den kleinen Burschen, aber er ging ja oft schon allein Tage lang auf die Jagd und kannte auch genau den Weg.

Die jungen Leute brachen jetzt zur Verfolgung der Mörder auf, während sie Betsy indessen mit der Mutter zu Klingelhöffers nicht sehr fernem Hause schickten. An der Fähre wohnten ja Leute, die sie über die Fourche setzen konnten. In dieser Richtung hin hatten sie auch nichts zu fürchten, und selbst die von Perryville erbetene Hülfe war dorthin bestellt, wo sie sich mit ihnen vereinigen wollten.