»Ja, mein neues Zeug, das mir Betsy erst in dieser Woche fertig gemacht hat.«
»Gut – ich will ebenfalls sehen, daß ich einen anständigen Rock auftreibe, denn die letzte Suche hat dem meinigen bös mitgespielt. Wollene Decken haben wir den Jayhawkern genügend abgenommen. Was ist denn das für eine Büchse, die Du da trägst?«
»Meines Vaters Waffe, die Bill dem einen Todten abgenommen. Ich habe dem Knaben die meinige dafür gegeben.«
»Alles in Ordnung denn. Am dritten Tag von heute hol' ich Dich ab,« und sein Pferd wendend ritt er in scharfem Trab den Strom hinauf.
John Wells hielt sein Wort. Zu thun gab es jetzt auch Nichts mehr für sie am Fourche-la-Fave, denn den Jay-hawkern war das Handwerk gelegt, und wieder Land urbar zu machen oder zu pflanzen, dazu hatte keiner der Leute Lust. Wußten sie denn, für wen sie es thaten, und waren ihnen nicht jetzt drei Jahre hinter einander die Ernten von durchstreifenden Soldatentrupps der einen oder anderen Partei geplündert oder zerstört worden? Erst mußte wieder Frieden sein, ehe sie in diesen dem Wechsel des Krieges ausgesetzten Districten an die ruhige Beschäftigung des Ackerbaues gehen konnten. Das Wenige, was sie selber zum Leben brauchten, konnte jeder schon ziehen oder durch die Jagd beibringen; jetzt hatte John Wells kein anderes Ziel als den zehnfachen Mörder zu erreichen und dann – ja, was er dann mit ihm thun würde, wußte er selber noch nicht, und nur in Wuth und Ingrimm knirschte er die Zähne zusammen, wenn er an den Buben dachte.
Texas! und war er auch wirklich nach Texas geflohen? Konnte er sich nicht westlich zu den Indianern gewandt haben? Wie mancher Verbrecher schon hatte die weiten Prairien aufgesucht, um sich dem Arm der ihn verfolgenden Gesetze zu entziehen.
John hielt sein Pferd an und schien unschlüssig, aber wie wir bei allen Menschenklassen, die den größten Theil ihres Lebens draußen in der freien Natur verbringen, bald mehr bald weniger immer einen gewissen Grad von Aberglauben finden, so sagte er sich jetzt selber: Dein erster Gedanke fiel auf Texas – Gott selber muß es Dir eingegeben haben, denn er kann nicht wollen, daß ein solcher Bube frei und ungestraft auf seiner Erde wandelt – also nach Texas! und als er zur verabredeten Zeit mit Jim zusammentraf, konnte er den Moment nicht erwarten, wo er seinem Thier erst die Sporen geben durfte.
Aber Texas ist ein großes – ein ungeheuer großes Land, und wenn sie es erreichten, nach welcher Richtung sollten sie dann suchen? Doch die Frage fand vielleicht schon ihre Erledigung auf dem Weg, denn wenn sich der Flüchtige überhaupt dorthin gewandt, so konnte er fast nur durch Arkansas die Straßen über Washington und Fulton eingeschlagen haben. Der folgten sie jetzt ebenfalls, um vielleicht in irgend einer Hütte wieder auf die Spur des Verbrechers zu kommen. Er war jedenfalls durch eine der Kugeln getroffen worden, das bewies das Blut, das sie in seinen Fährten gefunden, und möglich war's, daß sie gerade dadurch leichter auf seine Spur kommen oder ihn wohl gar erschöpft in irgend einer Cabin fanden.
Die Hoffnung sollte sich indessen nicht bewähren, denn Kunde bekamen sie allerdings genug von verdächtigen Individuen, die sich dort in der letzten Zeit auf der Straße herumgetrieben, und meist alle den Weg nach Texas eingeschlagen hatten, aber ob der Gesuchte zwischen ihnen gewesen, wer konnte es sagen. Verwundet waren ebenfalls Einige gewesen, das aber konnte in jetziger Zeit, wo der blutige Krieg Tausende von Opfern kostete, kaum auffallen. Es schien vielmehr sonderbar, wenn noch ein junger Mann mit unverletzten Gliedern in der Welt herumlief.