»Ein Haus – ein Haus!« jubelten da die Leute, die jetzt ihre Leiden geendet sahen und sich wenig darum kümmerten, wer jenen Platz bewohnte, Wasser mußte er ihnen geben. Fast unwillkürlich griffen sie auch nach ihren Rudern, als ob sie mit diesen rascher ihr Ziel erreichen könnten, aber der Wind trieb sie schon schnell genug vorwärts, das Wasser kräuselte unter ihrem Bug und: »da ist noch ein Haus, da noch eines – das ist eine Stadt!« tönte es von Aller Lippen, als sie weiter nach Norden glitten und dadurch den Platz, den die am Ufer südwärts daran stehenden Manglaren bis jetzt verdeckt hatten, mehr in Sicht bekamen.

Jetzt war ihre Noth allerdings mit ihrer Seefahrt beendet, und als »schiffbrüchige Matrosen«, als welche sie sich betrachteten, da sie doch ihr Schiff im Nebel verloren, durften sie auch auf eine freundliche Aufnahme bei der Bevölkerung rechnen.

Indessen hatten sie den Hafen, oder vielmehr die offene Rhede des kleinen Ortes erreicht, und sahen, daß die Häuser, welche sie zuerst bemerkt, auf einer Art Landzunge standen, die sich weiter gegen die See hinaus erstreckte, während die Stadt selber mehr zurück lag und dicht gedrängt eine lange Reihe dunkelgrauer Schilfdächer zeigte. Aber nicht eine der stillen Tropenstädte schien es zu sein, in denen die Bewohner der heißen Zone den Tag verträumen und nur mit untergehender Sonne einen Spaziergang in der kühlen Abendluft suchen. Das wimmelte am Ufer ordentlich von geschäftigen Menschen, die herüber und hinüber liefen, und sonderbarer Weise bemerkten sie auch eine Menge Bewaffneter, deren Musketen in der Sonne blitzten, ja, als sie sich dem ersten Landungsplatz näherten, sahen sie, daß dieselbe fast ausschließlich von Soldaten besetzt sei, als ob ihnen diese die Landung streitig machen wollten.

»Was zum Teufel mag da los sein?« brummte Bob in den Bart, während er aber nichtsdestoweniger den Bug ihres Bootes in der nämlichen Richtung hielt; »ist die Bürgerwehr ausgerückt, oder sind die Indianer losgebrochen? Seh' ein Mensch die Soldaten an.«

»O, hol' sie der Henker,« brummte Bill, »zu trinken wollen wir haben, und wenn wir das Nest mit Sturm nehmen müßten – steht einmal ein Bischen bei den Lanzen vorn, Mates, daß sie uns auf die nicht springen, wenn sie entern wollten – Mitten hinein zwischen die Lumpe, Bob!«

»'S kann nichts helfen,« nickte Bob, »da sind wir einmal! Wenn nur Einer der blutigen Halunken Englisch spricht, daß man ihnen erklären kann, was man will. Hol' mich Dieser und Jener, da hinten kommt noch ein ganzes Bataillon angesetzt. Steht bei den Halyards, Mates, ich glaube wahrhaftig, die Kerls wollen uns zu Leibe,« und von seinem Sitz aufspringend ergriff er selber eine der Lanzen und stellte sich damit keck und unerschrocken vorn in's Boot neben Bill.

Drittes Capitel.
Die Landung.

Bill hatte nicht ganz Unrecht gehabt. Das Boot war so nahe gekommen, daß man schon das Weiße im Auge der am Ufer Stehenden erkennen konnte, die sämmtlich in einer nichts weniger als friedlichen Bewegung schienen. Soldaten – ruppiges Volk, es ist wahr, mit bloßen Füßen und zerlumpten, schmutzigen Uniformen, aber doch mit Seitengewehren und Musketen, oder Lanzen und Messern bewaffnet, sprangen am Ufer hin und wieder, und an der Stelle, auf welche das fremde Boot zuhielt, sammelte sich ein Theil von ihnen und schien in der That, ihre Gewehre im Anschlag, eine Landung der Fremden auf das Entschiedenste verhindern zu wollen. Dazu schrie Alles durcheinander, Keiner hatte da, wie es den Matrosen vorkam, zu gehorchen, Alle nur irgend etwas zu befehlen, und dabei hielten sie die Mündungen der jedenfalls geladenen Gewehre den Seeleuten so drohend entgegen, daß diese, unter anderen Umständen, wahrscheinlich von einer Landung abgesehen und sich irgend einen anderen, friedlicheren Platz dazu ausgesucht hätten. Aber der Durst peinigte sie so furchtbar, daß sie sich eben durch nichts zurückschrecken ließen, und wie nur Bob mit dem Steuerruder Grund fühlte, rief er den Kameraden zu, das Segel niederzuwerfen, und ließ dann, unbekümmert um alle weiteren Folgen, den scharfen Bug ihres Wallfischbootes gerade auf den Sand hinauflaufen. Da waren sie, und eine ganze südamerikanische Armee hätte sie nicht wieder weggebracht, wenn man ihnen nicht vorher zu trinken gab.

Ein rasendes Geschrei entstand jetzt am Ufer, und einen Augenblick war es wirklich, als ob sich die dunkelhäutigen Bursche – von denen die Meisten aber viel mehr vom Neger als vom Indianer hatten – über sie herstürzen wollten, so wie toll geberdeten sie sich, und dabei schwenkten sie ihre Lanzen und Säbel und schossen sogar einige Gewehre in die Luft ab. Niemand wußte freilich, ob das nur geschah, um sich selber Muth zu machen, oder um die kecken Fremden einzuschüchtern. An das Boot wagte sich aber Keiner, denn die beiden Matrosen, die scharfgeschliffenen Wallfischlanzen in der Hand, standen noch immer regungslos, aber drohend genug im Bug desselben, während ihr finster dreinblickendes Gesicht der Waffe überdieß noch Nachdruck gab.

Endlich schüttelte Bill den Kopf und sich halb zur Seite wendend sagte er: »Hat nun schon Jemand im Leben einen solchen Haufen verrückter Kerle auf einem Platz beisammen gesehen? Verdammt will ich sein, wenn sie selber wissen, was sie wollen, und ich glaube, sie sind nur hier herunter gekommen, um sich einmal ordentlich schreien zu hören.«