»Si, Si, Señor, Si!« sagte der kleine Dolmetscher jetzt geschäftig, »Caramba, daran habe ich gar nicht gedacht – arme Teufel haben Durst,« und er rief dabei etwas auf Spanisch den Umstehenden zu, von denen Einige geschäftig fortgingen, um Wasser und Früchte herbeizuholen. Bob übrigens, der wohl sah, daß sie jetzt nichts mehr für ihre Sicherheit zu fürchten hatten, da die Soldaten sich gar nicht weiter um sie bekümmerten, und nur die Frauen und Kinder herbeidrängten, um sie neugierig zu betrachten, rief Bill zu, seine Lanze in's Boot zu legen. Ein Paar sollten dann als Wache darin zurückbleiben und er selber wollte hinauf in die Stadt gehen, um zu sehen, was sich thun ließe und ob nicht doch irgend ein Landsmann, oder wenigstens ein Engländer aufzutreiben wäre, mit dem sie sich besser verständigen könnten.

»O, Señor,« redete da der Bootssteuerer den kleinen Dolmetscher an; »wie heißt denn der Ort hier eigentlich?«

»Die Stadt!« rief dieser erstaunt; »Caramba, Señor, wissen Sie nicht, daß Sie hier in Buenaventura sind?«

»Buenaventura, hm?« brummte Bill, »jetzt sind wir so gescheidt wie vorher, und wo liegt das?«

»Wo das liegt? – Hier,« sagte der Dicke.

»Holzkopf,« brummte Bill vor sich hin; der Bootssteuerer, der aber etwas mehr geographische Kenntnisse hatte und doch wenigstens die ungefähre Höhe wußte, in welcher sie sich auf der Knote befanden, frug noch einmal: »Und sind wir da auf Ecuadorischem oder Neugranadiensischem Gebiet?«

»Ecuador?« rief aber der Kleine mehr entrüstet als erstaunt. »Caracho, amigo, Ecuador wird bald in Neugranada liegen, aber nicht Neugranada in Ecuador. Sobald wir hier im Lande fertig sind, gehen wir hinüber und nehmen uns so viel von Ecuador, wie wir brauchen – aber da kommt Wasser. Nun trinkt, Ihr Leute, wenn Ihr so durstig seid.«

In der That kamen in dem Augenblick eine Anzahl von Frauen, Negerinnen und Indianerinnen, oder wenigstens Mischlingsrace – braune, nicht unschöne Frauen in sehr leichter Kleidung zum Ufer herunter, und während Einige Calebassen mit Trinkwasser trugen, brachten Andere kleine Körbe mit Früchten, Orangen, besonders Bananen, Papayas und sonstige Erzeugnisse des reichen Landes. Die Seeleute sprangen auch mit Jubelruf aus ihrem Boot hinaus und Bill, der eine der Calebassen erfaßt hatte, hob sie an die Lippen und leerte sie fast auf einen einzigen, mächtigen Zug.

Das schmeckte – wenn auch das Wasser eben nicht besonders war – aber nur der, der sich einmal tagelang auf offener See in einem Boot herumgetrieben, oder in dürrer Sandwüste fast verschmachtet ist, weiß, was so ein Trunk Wasser zu bedeuten hat, und wie das durch alle Adern rieselt und zuckt und ordentlich neues Leben in den Körper gießt. Bill hatte auch – während die Uebrigen just gierig über das gebotene Labsal herfielen – eben nur abgesetzt und sich den Mund mit dem Aermel gewischt, als plötzlich eine der Frauen, ein bildhübsches, junges Weib, lichtbraun von Farbe zwar, aber mit vollen und üppigen Gliederformen und doch dabei so zart gebaut, auf ihn zusprang, seine Schulter mit ihrer Hand erfaßte, ihn etwas zurückschob, und als er sie erstaunt ansah, mit zitternder aber lauter Stimme rief: »Guillelmo! o querido! war es recht, daß Du mich so lange verlassen hast?« – und ehe sich Bill von seinem Erstaunen erholen oder nur ein Wort sagen konnte, um das Mißverständniß aufzuklären, warf sie sich an seinen Hals, umschlang ihn stürmisch und küßte ihn wieder und wieder.

»I'll be damned,« sagte Bill ganz verdutzt, während Tom und die übrigen Matrosen laut herausplatzten vor Lachen. Eine Weile mußte er sich auch die Liebkosungen der noch jungen und ganz hübschen Frau gefallen lassen, weil er sie doch nicht mit Gewalt von sich stoßen wollte; endlich aber, wie er nur einigermaßen Luft bekam und fühlte, daß sie etwas in ihrer fast krampfhaften Umarmung nachließ, nahm er ihren einen Arm herunter und sagte, sich in aller Verzweiflung an den noch neben ihnen stehenden Dolmetsch wendend: »Now you Sir, kommen Sie einmal her und sagen Sie der Frau, daß sie unter einem ganz verkehrten Baume bellt.«