»Die haben Sie wohl mit aus dem innern Land gebracht?« frug Bill noch einmal.
»Ach, was kümmern uns die,« wich aber der Kleine der Frage, die ihm nicht angenehm zu sein schien, aus, indem er unter einem Haufen von dort liegenden Gewehren herumkramte; »he,« sagte er dann, »hier ist ein gutes Stück – nichts im Zündloch und vollständig mit Bajonnet versehen – hier, Don Guillelmo, das nehmen Sie – da liegt auch eine Tasche, versuchen Sie aber erst, ob die Patronen hineinpassen. – Und Sie, Señor,« wandte er sich dann noch einmal an Tom, »haben ja auch kein Gewehr – da ist noch eines.«
»Danke vielmals,« knurrte Tom, »ich kann mit den Dingern nicht umgehen und habe mir dort die Wallfischlanze heraufgeholt. Mit der weiß ich Bescheid, und wenn's zum Treffen kommt, richte ich mehr mit der, wie mit solch' einem nichtsnutzigen Schießeisen aus, von dem man überhaupt nie weiß, ob es los geht.«
»Nun, machen Sie das, wie Sie wollen,« rief der Kleine, indem er plötzlich auf die Veranda hinaussprang und auf die Straße hinab sah. Dort mußte er aber etwas bemerkt haben, was ihn interessirte, oder seine Gegenwart vielleicht nöthig machte, denn er eilte die hölzerne Treppe wieder in aller Hast hinunter, die Matrosen sich selber überlassend. Kaum aber war er fort, als Bill, der rings herum nur die schwarzbraunen Bursche bemerkte, die hier ebenfalls mit den Waffen zu thun hatten, den Kameraden auch mit kurzen bündigen Worten seine Erlebnisse erzählte und ihnen zugleich mittheilte, daß man sie hier auf eine ganz verkehrte Seite pressen wolle, und er wenigstens gesonnen sei, gegen diesen Mosquera keinen Schuß abzufeuern.
»Höre einmal, Mate,« sagte da Bob, »das ist ein wunderliches Ding mit der Politik dieser Länder, und der Henker mag sich hineinfinden; ich werde wenigstens nicht klug daraus und gedenke auch gar nicht, mir den Kopf darüber zu zerbrechen. So viel aber ist sicher, daß wir zu der Partei halten müssen, in die wir hineingeworfen sind. Ob sie nun recht oder unrecht hat – geht uns auch gar nichts an; das ist ihre Sache, und mögen sie mit ihren Landsleuten ausmachen.«
»So?« sagte Bill, »und wenn wir also noch mit dazu helfen sollen, einen Landsmann von uns, einen Amerikaner, im Kerker zu halten und vielleicht gar dabei zusehen, wenn er todt geschossen wird, dann geht uns das auch nichts an?«
»Einen Amerikaner?« riefen die Matrosen rasch, »wo?«
»Hier, in dem Loch von einem Gefängniß natürlich,« entgegnete Bill, »und wer weiß denn, wer es ist und wie sie ihn indessen behandelt haben? Das müßten wir doch jedenfalls vorher herausbekommen, ehe wir uns für die Gesellschaft todtschlagen lassen, und sitzt da wirklich ein richtiger Yankee fest, so will ich auch verbrannt werden, wenn ich nicht zusehe, wie ich ihn wieder herauseisen kann.«
»Ja, Mate,« meinte der Bootsteuerer, »und wir Alle ebenfalls; wie aber wollen wir es erfahren? denn wenn wir den kleinen, kurzbeinigen Kerl darum fragen, der hier allein englisch spricht, so sagt uns der im Leben nicht die Wahrheit.«
»Gut, dann giebts auch noch ein anderes Mittel, um es herauszubekommen,« nickte Bill vor sich hin, »zu thun haben wir doch jetzt noch nichts, denn sie scheinen gar nicht zu wissen, was sie vor der Hand mit uns anfangen sollen, und indessen wollen wir einmal einen Spaziergang durch die Stadt machen – mit unseren Gewehren müssen sie uns so überall durchlassen.«