Der Dolmetsch übersetzte ihnen jetzt den etwaigen Sinn der Rede, der ungefähr darauf hinauslief, daß der Feind anrücke und der Augenblick gekommen sei, wo sie die Freiheit einer großen Nation mit ihrem Blute sollten besiegeln helfen. Die Amerikaner wären auch ein freies Volk und Republikaner und deßhalb die Brüder der Neugranadienser.
»Well old fellow,« unterbrach ihn da Bill, »wenn das Alles wahr ist, weßhalb haltet Ihr denn da Einen von diesen Republikanern und Brüdern in Eurem nichtswürdigen Loch von Gefängniß hinter den Eisengittern, he?«
»Wat de debie!« rief der kleine Mann erstaunt und fast erschreckt aus, »was wißt Ihr denn von einem Amerikaner?«
»Was wir davon wissen?« sagte der Bootsteuerer – »wir wissen, daß er in dem Loch sitzt, und wollen ihn heraus haben – weiter nichts.«
»Was sagen sie?« frug der General erstaunt, und der Kleine übersetzte ihm mit lebhaften Gestikulationen das eben Gehörte. Der General blieb aber vollkommen ruhig und erwiederte nur, wie ihnen der Kleine zurückübersetzen mußte, daß das kein Amerikaner, sondern ein Engländer und ein Verräther sei, der sich heimlich gegen die rechtmäßige Regierung des Landes verschworen und dann mit den Waffen in der Hand versucht habe, die Truppen seiner Excellenz des Präsidenten zu überfallen und zu vernichten. Er werde aber seiner gerechten Strafe nicht entgehen, denn er solle mit dem nächsten hier landenden Regierungsschiff nach Panama gesandt und dort vor ein Kriegsgericht gestellt werden.
»So,« setzte dann der kleine Dolmetsch hinzu, »nun wißt Ihr die ganze Geschichte, und wenn ich Euch einen guten Rath geben soll, so haltet Ihr die Mäuler und mischt Euch nicht in Sachen, die Euch nichts angehen. Ihr seid jetzt neugranadiensische Soldaten, denn Ihr habt das Handgeld genommen, und der General spaßt nicht. Sowie Ihr Euch widersetzt, werdet Ihr einfach todtgeschossen. Das ist Kriegsrecht, bei Euch so gut wie bei uns – und nun vorwärts marsch!«
Die Matrosen waren selber unter sich noch zu keinem rechten Entschluß gekommen, sahen aber auch ein, daß sie vorläufig nichts ausrichten konnten, denn das Regierungsgebäude stak gedrängt voll bewaffneter Menschen. Sie folgten also dem Befehl. Wie sie aber unten auf die Straße kamen, sprengte ein mit Schlamm ordentlich bedeckter Reiter vor die Thür, warf sich vom Pferd und eilte die Treppe hinauf, während die Leute unten durcheinander stürzten und von den verschiedensten Zurufen allarmirt waren.
Etwas mußte im Werk sein, aber was? – Sie verstanden kein Wort von dem Aufruhr, und da sie zu gleicher Zeit ein Offizier bedeutete, in eine der dort formirten Kolonnen einzutreten, so blieb ihnen auch keine Zeit, selber nachzusehen. Wenige Minuten später marschirten sie die Straße hinauf in Reih und Glied, um – wie sie nicht anders vermutheten – irgendwo an den Schanzen postirt zu werden. Jedenfalls mußte der reitende Bote die Kunde gebracht haben, daß der Feind anrücke.
Da sah Bill die Negerin an der Seite stehen und forschend die Reihen betrachten. Wie sie aber die Fremden unter der Truppe entdeckte, schritt sie quer über die Straße hinüber, als ob sie an die andere Seite hinüber wollte, und blieb jetzt dicht neben den Vorderen stehen, um den Zug erst vorüber zu lassen. Jetzt kamen die Matrosen, und Bill, der erhaltenen Warnung eingedenk, that auch gar nicht, als ob er sie kenne – die Negerin sah ihn ebenfalls nicht an – wie er aber an ihr vorüberschritt, murmelte sie leise, aber doch so, daß er die Worte deutlich verstehen konnte: »Ship in sight« (Schiff in Sicht) und schritt dann langsam an der vorbeidefilirenden Reihe herunter und auf die andere Seite hinüber.
»Alle Teufel!« rief Bill leise vor sich hin, »hast Du gehört, Tom, was die Alte da eben sagte?«