Und wie der Fisch lief! Ein sogenannter Finnbackwallfisch hat es allerdings in der Gewohnheit, mit der Harpune in solcher Art fortzulaufen, und deßhalb ist sein Fang so schwer und undankbar, und die Wallfischfänger wollen auch Nichts von ihm wissen; giebt er doch auch viel zu wenig Thran für die Mühe, die er kostet, so daß der Gewinn in keinem Verhältniß zu der Gefahr steht. Der Spermwal dagegen läuft gewöhnlich erst eine Strecke gerade aus, und hält dann ein und taucht in nicht zu große Tiefe unter, weil er bald zum Athemholen wieder an die Oberfläche zurückkehrt. Dadurch nun giebt er dem an ihm festgekommenen Boot Gelegenheit, ihm den Todeswurf mit der Lanze hinter eine der beiden Seitenflossen zu versetzen – der einzige Platz, und der nicht einmal sehr große, wo er tödtlich getroffen werden kann.

Die Matrosen des vierten Bootes kümmerten sich aber wenig um das Laufen, denn sie wußten, daß ihr Vorspann damit bald aufhören würde. Sie lachten und jubelten, und besonders war der junge Harpunier ganz außer sich vor Vergnügen, daß er einen Fisch bekommen hatte, während der erste Harpunier, der ihn bis jetzt immer über die Achsel angesehen, mit leerem Boot zum Schiff zurückkehren mußte. Er konnte auch die Zeit nicht erwarten, bis ihnen der Wal in Wurfnähe kommen würde. – Daß er ihn sicher und gut traf, sollte seine Sorge sein.

»Es ist übrigens Zeit,« sagte der eine der Matrosen, »daß wir einmal richtig an einen Fisch festkommen, denn zehn Monate sind wir jetzt aus, mit noch nicht einer einzigen Tonne Thran an Bord – die Butter ausgenommen, die der Holzkopf von Koch für uns eingelegt hat. Das Schiff war bis jetzt wie verbrannt, ordentlich als ob wir verhext gewesen wären. Wenn wir den nur erst wenigstens sicher langseit und eingeschnitten hätten.«

»Keine Noth, mein Bursche,« lachte der Harpunier – »der lockert die Leine schon; er wird müde – holt ein – je eher wir heimkommen, desto besser.«

Zwei der Matrosen sprangen nach vorn und nahmen Hand über Hand die Leine ein; der Fisch schien in der That müde geworden zu sein, denn er lag entweder ganz still, oder schwamm auch vielleicht, wie sie das manchmal thun, in anderer Richtung langsam weiter.

»There she blows,« rief der eine Matrose plötzlich, mit unterdrückter Stimme, als er dicht voraus den Strahl erkannte. Der Fisch war an die Oberfläche gekommen, um Athem zu holen, und sie konnten jetzt deutlich erkennen, daß er noch von ihnen abgewendet lag, also nur einfach im Laufen inne gehalten hatte. Jedenfalls mußten sie so viel wie möglich von der Leine bergen, um ihm das nächste Mal, wenn er wieder einhalten sollte, näher zu sein. Beide Matrosen zogen so rasch ein, als sie konnten, vermochten aber dadurch nicht, das eingenommene Tau auch eben so schnell und ordentlich wieder aufzukoilen.

»Habt Acht da vorn,« sagte der Bootssteuerer, der das bemerkte, »und verwickelt die Leine nicht – wenn er plötzlich wieder anreißt –«

»Da kommt er wieder nach oben!« rief der Harpunier und sprang vorn auf die kleine Bank des Bugs, um besser von da ab ausschauen zu können, aber unvorsichtig genug trat er dabei in ein paar Schlingen des eingeholten Taues, und in dem Moment fast schoß der Fisch nach vorn und in die Tiefe, wobei er die Leine hinter sich herriß.

»Habt Acht da vorn!« rief noch einmal der Bootssteuerer, aber seine Warnung kam für den Harpunier zu spät. Während er mit dem rechten Fuß hinaustreten wollte, schlang sich die auslaufende Leine um diesen, und wie ein Blitz warf es ihn hinaus über Bord. Zu gleicher Zeit hatte sich eine Schlinge um den in der Mitte befestigten Krahn oder Nagelbalken geschlagen, an dem die Leine überhaupt befestigt wird, wenn sie halten soll, und pfeilschnell riß der Wal das Boot hinter sich her.

»Kappt das Tau!« war der erste, unwillkürliche Ruf des Bootssteuerers, der in diesem Augenblick seinen Platz nicht verlassen konnte, wenn er nicht das Boot gefährden wollte, das natürlich umgeschlagen wäre oder sich gefüllt hätte, sobald es die furchtbare Kraft des Wals auf die Seite riß. Ehe aber nur Einer der Leute dem Befehl Folge leisten konnte, schrie er auch schon wieder »Halt! laßt sein!« – denn wie er den Blick zurückwarf, sah er, daß das Boot des zweiten Harpuniers, von der frischen Brise begünstigt, kaum fünfhundert Schritte entfernt hinter ihm drein kam. Außerdem wußte er, daß der Harpunier ein ausgezeichneter Schwimmer war. Jenes Boot mochte ihn deßhalb aufnehmen, und wenn der Wal wieder hielt, konnte es herankommen und den verlorenen Offizier seinem eigenen Boot zurückbringen. Sie durften den gefangenen Fisch nicht so leichtsinnig aufgeben – weshalb hatte auch der Harpunier nicht besser aufgepaßt?