Der kleine Mann wollte gerade eine zornige Antwort darauf geben, als eine scharfe Salve von Links herüber knatterte und er sich erschreckt dorthin wandte. Zu gleicher Zeit wurde aber auch das Feuer von der rechten Seite her laut, und es war augenscheinlich, daß jetzt der Angriff auf beiden Seiten eröffnet sei, wo eine Entscheidung nicht lange auf sich warten lassen konnte. Ohne sich auch weiter mit den Fremden aufzuhalten, die, wie er doch jetzt wußte, wenigstens nicht zu Mosquera's Partei gehörten, lief er, so rasch ihn seine kurzen Beine trugen, in die Stadt hinein, es den Matrosen überlassend, selber zu sehen, wie sie ihren Auftrag ausführten.

Diese waren aber deßhalb nicht verlegen, denn wenn ihnen auch nicht entgehen konnte, daß wieder irgend eine der ewigen Revolutionen im Land ausgebrochen sei, so dachten sie doch, mit dem kecken und leichtsinnigen Muth derartiger Leute, viel weniger an die eigene Gefahr, welcher sie sich dabei aussetzten, als an den Spaß, ein solches Treiben einmal in der Nähe zu betrachten.

»Heda, Jungen, was meint ihr?« sagte der Harpunier, »wollen wir an Bord zurückkehren und dem Kapitän Bericht erstatten, oder uns lieber erst da oben die Geschichte einmal mit ansehen? Vielleicht finden wir dort auch unsere Leute, denn wo es was zu raufen gibt, fehlt Bill und Tom sicher nicht.«

»In die Stadt, Sir!« riefen aber die Leute wie aus einem Munde, »unter jeder Bedingung! Der Teufel weiß auch, ob sie unsere Kameraden nicht am Ende eingesperrt haben, und vielleicht können wir dann da oben Luft machen.«

»Na, vorwärts denn, meine Bursche,« sagte der alte Mann, der sein Lebensalter zwischen Wallfischen und wilden Indianern zugebracht. »Waffen haben wir freilich nicht, aber ich denke, wenn wir sie brauchen sollten, werden wir sie schon finden, denn da oben sehe ich einen solchen Haufen bewaffneter Landratten herumlaufen, daß wir ein paar von denen leicht »schälen« können. Vorwärts, damit wir nicht zu spät zum Tanz kommen« – und ohne ein Wort weiter zu sagen, lief er, von seinen Leuten dicht gefolgt, gerade in die Stadt hinein und der Richtung zu, von welcher das schärfste Gewehrfeuer herübertönte.

Die Seeleute brauchten übrigens nicht weit vorzudringen, um mit den »Vaterlandsvertheidigern« in Berührung zu kommen, denn lange vorher noch, ehe sie die Schanzen erreichten, begegneten ihnen Schwärme Bewaffneter, die sich von dem wahrscheinlich zu heiß werdenden Kampfplatz zurückgezogen hatten. Auch einige Verwundete sahen sie vorübertragen, die in die nächsten Häuser gebracht wurden. Ohne sich mit denen aber aufzuhalten, sprangen sie an ihnen vorüber und wollten eben in die nächste Straße einbiegen, als sie an einem großen Hause Getümmel und Stimmen hörten, aus denen deutlich ein englischer Fluch herausklang.

»Alle Wetter!« rief der alte Harpunier, indem er darauf zuflog – »da drüben sind unsere Jungen! Das war Bill's Stimme, und in voller Arbeit, wie ich sehe. Boys! greift euch ein paar Lanzen, oder was ihr sonst kriegen könnt, auf –«

Dem Wort die That folgen lassend, stellte er einem neben ihm vorbeilaufenden Neugranadienser ein Bein, daß dieser wie ein Pfeil nach vorn schoß. Im Nu hatte der Alte auch dessen Lanze aufgegriffen und ihm den Säbel aus der Scheide gerissen. Das Beispiel wirkte. Die übrigen Matrosen, lauter kräftige handfeste Burschen, faßten hier eine Muskete, da ein Seitengewehr, und mit einem wahren Jubelschrei stürmten sie nach vorn.

Hier hatte sich indessen, während draußen noch immer der Kampf wüthete, ein kleines Privatdrama entsponnen, das für einen Theil der Betreffenden recht schlimm ablaufen konnte.

General Oran nämlich, von den meisten aus der Stadt herbeigezogenen Kämpfern verlassen, sah bald, daß der Feind von Stunde zu Stunde durch neue und frische Zuzüge verstärkt wurde und er nicht darauf hoffen durfte, den Platz gegen die Uebermacht zu halten. Viele der Seinigen waren auch schon verwundet und getödtet, und nur ein einziger Ausweg blieb ihm, über den kleinen, dicht unterhalb der Stadt einmündenden Strom, über den er eine leichte Brücke geschlagen, zu entkommen. In den Wald hinein war er auch sicher, nicht verfolgt zu werden, und mit guten Führern versehen, die hier jeden fußbreit Boden kannten, hoffte er schon die Berge wieder zu erreichen und sich dort entweder einer andern Guerillatruppe anzuschließen, oder auch wieder in einem kleinen Binnenstädtchen für kurze Zeit sein Hauptquartier aufzuschlagen.