Bill wußte aber recht gut, daß er seine Zeit nicht mit unnützen Fragen oder Auseinandersetzungen verlieren durfte, und vollkommen gleichgültig dagegen, ob er es mit Godos oder Mosqueranern zu thun habe, fuhr er mit seinem Kolben dermaßen unter die Bursche hinein, daß ein paar von ihnen betäubt oder todt – wer kümmerte sich darum – zu Boden stürzten. Der Kolben brach auch von dem Schlag, aber das eiserne Rohr blieb eine eben so gewichtige Waffe, und rechts und links mähte er damit hinein, während jetzt der Bootsteuerer mit den Uebrigen herbeisprang, um dem Angriff Nachdruck zu geben. Im Nu hatten sie auch den Amerikaner befreit und seine Bande durchschnitten, und scheu wollten sich die südamerikanischen Soldaten mit ihren übrigen Gefangen zurückziehen – aber Bill ließ sie nicht.
»Da sind noch Andere dabei, die auch frei werden müssen!« schrie er den Gefährten zu – »noch ein Engländer ist darunter – vorwärts Jungen! hämmert den braunen Halunken die Schädel ein, wenn sie nicht Vernunft annehmen wollen.«
Es sah fast wie Wahnsinn aus, daß die fünf nothdürftig bewaffneten Matrosen einen Angriff gegen einige zwanzig Soldaten machen wollten, aber sie zögerten auch nicht einen Moment. Ihr Blut war einmal warm geworden, und während der befreite Amerikaner von einem der Gefallenen eine Lanze aufgriff, warfen sie sich mit keckem Muth auf den Feind.
Da stürmte General Oran mit seinem Trupp die Straße herauf, denn die zu früh gefeuerten Allarmschüsse hatten ihn glauben machen, daß seine Befehle alle ausgeführt seien und die Bahn nun frei läge für seine Flucht. Am Gefängniß vorüberkommend, sah er aber seine eignen Leute noch im Kampf mit den Fremden, und augenblicklich das Ziel errathend, das diese im Auge hatten, warf er sich mit seiner ganzen Macht gegen sie an.
Ein Glück für die Seeleute war es, daß die Neugranadienser unten, ehe sie die Schanzen verließen, sämmtlich die Gewehre, die überhaupt nicht mehr losgehen wollten, auf den Feind abgefeuert hatten, und dann, ohne sich Zeit zu nehmen, wieder zu laden, den vorangegangenen Freunden gefolgt waren. So konnten sie wenigstens nicht in den kleinen Trupp hineinschießen, aber mit Säbeln und Lanzen fielen sie doch über sie her; was konnten auch die paar Menschen gegen ihren Schwarm ausrichten.
Bill erhielt den ersten Säbelhieb über den Kopf, aber der Bursch führte keinen zweiten, denn der Matrose, wenn auch verwundet, zerschmetterte mit seinem Büchsenlauf den Schädel des Unglücklichen. Jetzt aber war Bill's Zorn auch erwacht, und mit einem lästerlichen Fluch sprang er hinein in die Rotte, um sich bis zu dem eben erkannten General durchzuarbeiten.
Da tönte wildes Jubelgeschrei von der andern Seite herüber.
»Ho Bill! – ho Tom! lass' sie's haben. Drauf meine Jungen, hier kommt Hülfe! – Hurrah! Uncle Sam for ever!«
Die Neugranadienser stutzten, den frischen Feind gewahrend; aber eine noch dringendere Gefahr bedrohte sie von der andern Seite, denn die Einwohner von Buenaventura, wüthend über den frevelhaften Versuch, ihre Stadt in Brand zu stecken, und jetzt auch mit der Gewißheit, daß Mosquera doch den Platz besetzen würde, fielen plötzlich ebenfalls über sie her und vereinigten sich mit den Matrosen.
Die Straße herunter tönte wildes Geschrei, und schwarzer Rauch wälzte sich unheimlich drohend von den brennenden Gebäuden herüber, die Wuth der Männer noch zum Aeußersten anstachelnd. General Oran machte einen Versuch, sich durchzuhauen, und hätten er und die Seinen den ganzen Tag so gefochten, so wären sie wahrscheinlich Sieger geblieben. Jetzt kam der Muth der Verzweifelten zu spät. Mosquera's Truppen, keinen Widerstand mehr an den Schanzen findend, hatten die niederen Wälle übersprungen und stürmten jetzt von allen Seiten in die offene, unvertheidigte Stadt hinein.