»Euer Körper deckt mich!« zischte der Fremde in des entsetzten Capitains Ohr, während er dessen Arme so fest umschlang, daß er keinen Streich weiter mit dem Messer führen konnte. »Die Kugel findet erst durch Euch zu mir die Bahn!«
»Schießt nicht!« rief der Erschreckte in Todesfurcht.
Ein wilder gellender Schrei, der dem zitternden Verbrecher das Blut in den Adern stocken machte, erdröhnte in diesem Augenblick dicht über ihm von der Uferbank aus, und ehe nur irgend Jemand an Bord des Fox einen festen Entschluß fassen konnte, umgaben zehn oder zwölf wilde kriegerische Gestalten den gefangenen Capitain, während wohl noch zwanzig Andere, die Büchsen auf den Schultern, die Kriegskeulen am Handgelenk, und die schäumenden Ponneys zu immer tollerer Eile anspornend, heranstürmten. An Widerstand war gar nicht mehr zu denken; der todtenbleiche Capitain sah sich in fast wunderbarer Schnelle gebunden und von der geschäftigen Schaar rasch auf die Uferbank gehoben, und hier erst fand er sich Antlitz zu Antlitz mit dem wie rasend aus seinem Wigwam stürzenden Vater der Geraubten.
»Mein Kind – mein Kind – wo ist A-na-las-ka – die schwankende Birke des Arkansas – A-na-las-ka! – Ha – bleichhäutiger Hund – das Dein Werk – Wo ist mein Kind?«
Und in der Rechten die Keule schwingend, fuhr seine Linke dem Elenden mit solcher Kraft nach der Kehle, daß sein Antlitz in wenigen Secunden eine fast dunklere Farbe annahm, als die Hand trug, die ihn umspannt hielt. Nicht ein Wort vermochte er, ob es sein Leben galt, über die Lippen zu bringen, und der nächste Moment hätte vielleicht sein Schicksal entschieden. Da war es der Fremde, der sein Leben rettete, und zwar eben derselbe Mann, der an dem nämlichen Nachmittag den Häuptlingen in Redtown den Rath gegeben hatte, die aufgedrungenen Whiskeyfässer zu zerstören.
»Halt, Tcha-to-ga!« rief der aus und hemmte mit emporgehobenem Arm die drohende Waffe – »Dein Kind ist auf jenem Boot – tödte diesen Mann und es ist für Dich verloren, – nur durch seine Freigabe kannst Du es rasch wieder in Deine Arme ziehen!«
»Führt mich an die Uferbank,« flehte mit zitternder Stimme der Elende, während er neue Hoffnung für das schon fast aufgegebene Leben schöpfte – »laßt mich frei, und in wenigen Minuten ist Eure Tochter hier am Lande.«
»Und geschieht das nicht,« zischte in kaum bezähmbarer Wuth der Indianer, »dann wird Tcha-to-ga des weißen Hundes Fleisch zerhacken, daß sich die Aasgeier mit Ekel von ihm wenden sollen – ugh! Tcha-to-ga ist ein Mann!«
Er ergriff den, nicht den mindesten Widerstand leistenden Weißen im Nacken und schleppte ihn bis dicht an die steile Uferbank; der Fremde aber, dessen kühner Sprung und rasche Entschlossenheit die Geisel gesichert hatte, schwenkte sein Tuch, nach dem, jetzt wohl an dreihundert Schritt von der Strömung hinabgeführten Boote zu.
»Pest, Gift, Tod und Bowiemesser!« rief ingrimmig mit dem Fuß stampfend, der Mate, der sich indeß von dem durch den Iren empfangenen Schlag erholt hatte, und vorn, nach dem Ufer hinüberschauend, auf dem Boot stand – »bei Gott erwischt, und der ganze schöne Spaß verdorben, des weißen Schuftes wegen – ob das nicht zum Verrücktwerden ist.«