»Mutter — liebe — liebe Mutter!« rief die junge Frau, flog auf die alte Dame zu und barg, der Fremden die sie umstanden nicht achtend, ja sie wohl nicht einmal bemerkend, schluchzend ihr Antlitz an ihrer Brust.
»Mein Kind — mein liebes Kind!« sagte Frau von Kaulitz, mit einem unverkennbaren Anflug von Rührung und hob sie zu sich auf, küßte sie und streckte dann ihre Hand dem wenige Schritte hinter ihr stehen gebliebenen Gatten entgegen.
»Liebe — beste Mutter!« rief aber jetzt auch dieser, tief ergriffen ihre Hand fassend und an seine Lippen ziehend — »können Sie uns verzeihn?«
»Bst Kinder — keinen Auftritt hier« sagte aber Frau von Kaulitz, rasch wieder gefaßt, »komm Pauline — komm, richte Dich auf — sieh nur die fremden Leute hier um uns her. Ach bitte William haben Sie die Güte und sehen Sie nach daß meine Koffer und Hutschachteln hinunter in das Boot kommen.«
»Ich werde Ihnen das schon besorgen, gnädige Frau« sagte aber der Capitain freundlich — »ist das all Ihr Gepäck was hier oben an Deck steht?«
»Das ist Alles — halt Steward meine Whistmarken liegen noch unten auf meinem Waschtisch, in dem kleinen grünen Etui.«
»Hier Jahn — hier Jacob!« rief der Capitain ein paar seiner Leute an — »hinunter mit den Sachen da in's Boot — macht rasch, aber geht mir vorsichtig damit um — hier die drei Koffer und die drei, vier, fünf Schachteln mit den zwei Reisesäcken.«
»Wartet Kinder, meine Marken kommen gleich« sagte Frau von Kaulitz, als die junge Frau sie unter Thränen lächelnd noch einmal geküßt hatte und dann mit sich fortziehen wollte — »apropos William, spielen Sie Whist?«
»Nein liebe Mutter« — sagte der junge Mann, verlegen lächelnd über die etwas abgebrochene Frage.
»Kein Whist?« — rief Frau von Kaulitz, fast erschreckt stehen bleibend — »wo bekommen wir denn heute Abend den dritten Mann her? — Pauline spielt.«