»Hier in dem rothen Kästchen.«

»Aber das ist auch geöffnet worden.«

»Das? — nein, das hab ich wohl selbst geöffnet, nachzusehen, ob auch Alles darin sei, und nicht wieder ordentlich geschlossen. Die Haken waren allerdings auf, wenn ich mich nicht ganz irre, aber der Dieb hat keinenfalls eine Ahnung gehabt, welchen Werth das kleine unscheinbare Kästchen enthalte, oder es stände jetzt nicht mehr da.«

»Sehr wahrscheinlich, hm — aber Sie vergeben wohl nicht, mein Fräulein, alle diese Einzelheiten besonders zu notiren; wer weiß ob sie nicht noch einmal wichtig werden. Ah, da kommt auch Herr Henkel wieder; haben Sie die Cigarre gefunden?«

»Gott weiß wo sie ist;« lachte dieser, »irgend Jemand muß es doch noch der Mühe werth gehalten haben sie aufzuheben, und in einer Pfeife vielleicht zu verrauchen — ich bin selber [pg 059]hinunter gegangen, kann sie aber nirgends mehr entdecken. Uebrigens ist es auch fast dunkel geworden, und ich werde morgen ganz früh nachsuchen lassen. Der Stummel wird Ihnen freilich nicht viel helfen.«

»Man weiß nicht,« sagte der Actuar kopfschüttelnd, »je nach der Güte des Tabaks ließ sich vielleicht auf die Schicht der menschlichen Gesellschaft schließen, in der sich unser heimlicher Besuch herumtriebe. Aber das ist allerdings Nebensache; wo also ist der Dieb hereingekommen? — hier durch diese Thür?«

»Doch wohl vom Garten her durch das Fenster Euers Schlafzimmers,« sagte Herr Dollinger, »denn durch das Haus würde er es sich am hellen Tage im Leben nicht getraut haben.«

»Aber ich möchte meine Seligkeit zum Pfande setzen daß ich den Schlüssel, der nach unserer Schlafkammer führt, ehe wir fortgingen, herumgedreht und stecken gelassen hätte, so daß von innen ein Oeffnen unmöglich war.«

»Und war die Thür noch verschlossen wie wir zurückkamen?«

»Nein, nur in's Schloß gedrückt, aber der Schlüssel stak darin.«