[pg 012]»Wie — wie befehlen Sie meine Gnädige?« sagte der junge Henkel etwas zerstreut; Sophie bog sich in diesem Augenblick zu ihm nieder und flüsterte ihm ein paar Worte zu —

»Er kann ja doch Nichts für seine Gebrechen« nahm Clara aber die Antwort auf, »und thut gewiß Alles in seinen Kräften sie eben durch gutes Betragen vergessen zu machen.«

»Papa, ich würde das Geld auch nicht so offen in dem Secretair da liegen lassen« sagte Sophie.

»Nicht so offen? — ich habe ja zugeschlossen — «

»Nun, es ist immer nicht gerade gut, wenn die Dienstleute wissen wo man Geld liegen hat« stimmte die Mutter bei.

»Dienstleute?« meinte Herr Dollinger — es war ja Niemand von ihnen im Zimmer — «

»Doch Loßenwerder?«

»Bah« lachte der Kaufmann, mit dem Kopf schüttelnd.

»Ist es denn viel?« frug seine Frau.

»Nun, der Mühe werth wär's immer« sagte Herr Dollinger, »fünf Tausend Thaler etwa — es soll aber auch nicht über Nacht da liegen bleiben, und Loßenwerder hat mir auf heute Abend den Cassirer zu bestellen, das Geld an sicheren Ort zu legen, bis ich morgen darüber verfügt habe.«