»Und bis wann könnte ich da Antwort haben?«
»Ja das bin ich nicht im Stande Ihnen zu sagen; Sie wissen selber wie beschränkt meine Zeit ist; übrigens können Sie — nicht wahr, Sie haben Ihre Sachen bei sich?« —
»Es liegt noch Alles unten an der Dampfbootlandung,« sagte der Mann.
»Nun gut, dann können Sie die so lange zu mir herstellen und hier für drei Dollar die Woche — billiger bekommen Sie es überdieß nirgends — wohnen, und wenn ich etwas Bestimmtes erfahre — «
»Auch das noch, nicht wahr?« — rief aber der Mann jetzt, der zu viel von Amerika gesehen hatte darauf einzugehn; »dadurch würde ich nur hingehalten und käme auf's Neue in Schulden, die ich nachher mit dem letzten Rest meines Eigenthums bezahlen müßte. Nein, lieber Herr Hamann, geben Sie mir wenigstens hundert Dollar von dem an Sie gezahlten Geld; nur einhundert Dollar für die vier, und ich will fortgehn und zufrieden sein, und keinem Menschen eine Sylbe klagen, ja die gesammelte Erfahrung, wenn auch als theuer, doch nicht als zu theuer erkauft betrachten.«
»Danke Ihnen,« sagte Herr Hamann spöttisch, »Ein Hundert Dollar baar Geld können allerdings schon ein Übriges thun, ich habe sie aber nicht in kleinen Paketen daliegen, sie einzeln aus dem Fenster zu werfen; und wenn Sie überhaupt glauben, daß ich Sie nur in Kost und Logis haben will, um Sie hinzuhalten und Ihnen Ihre Sachen abzunehmen, so können Sie meinetwegen hingehen, wohin Sie Lust haben; mich aber seien Sie so gut und lassen Sie in Zukunft zufrieden, und wenn Sie glauben irgend eine Forderung an mich zu haben, so gehn Sie hin und verklagen Sie mich — ich heiße Hamann, wohne in — Straße Nr. 36 und gehe keinem Menschen aus dem Wege.«
Mollwich wollte wieder einlenken, und vielleicht noch einmal versuchen den Mann in Güte zu bewegen, einen Theil seines Unrechtes, ohne daß er es gerade einzugestehn brauchte, an ihm gut zu machen; Herr Hamann aber verfolgte den gewonnenen Vortheil, spielte den Gekränkten und schändlich Beleidigten, und jagte den armen Teufel, der sein Alles durch ihn verloren, zuletzt auch noch zum Zimmer und Haus hinaus.
Gerade als er dieses verließ, und noch unter der Thür, begegnete ihm der junge Hamann, der durch den Schenkstand durch, ohne den hinter ihm drein Gesichter schneidenden Barkeeper auch nur eines Blicks zu würdigen, den Speisesaal betrat, und hier Hedwig, still mit ihrer Arbeit beschäftigt, und den Vater, im Auf- und Niedergehn die Hände vergnügt zusammenreibend, fand. Mollwich hatte aber so verstört und bleich ausgesehen, daß der junge Mann nicht anders glauben konnte, als es sei etwas mit ihm vorgefallen und den Vater frug, was er gehabt und weshalb der Deutsche — ein alter Bekannter, wenn er nicht irre — in solcher Aufregung das Haus verlassen.
»Aufregung? — der?« lächelte aber Herr Hamann still vor sich hin, »der hätt's auch noch nöthig sich groß aufzuregen.«
»Und was wollte er, Vater?«