»Aber meine Tochter« — sagte Herr Dollinger — »wie soll ich das arme Kind jetzt in der ungeheuern Stadt hier wiederfinden?«
»Sie hat Ihnen geschrieben die Briefe poste restante unter der Adresse einer gewissen — «
»Hedwig Loßenwerder — «
»Ah ja — Hedwig Loßenwerder zu lassen — gut, legen Sie Ihre eigene Adresse unter dem Namen auf die Post; es wird dort jedenfalls nachgefragt und man sucht Sie selber auf.«
»Seit vorgestern ist das schon geschehn,« sagte Herr Dollinger traurig, »und wohl zehnmal bin ich an jedem Tag auf der Post gewesen nachzufragen, ob die Adresse abgeholt, aber noch hat sich Niemand danach erkundigt. Wenn Sie nur nicht die Stadt, in der es ihr an Mitteln fehlte zu existiren, verlassen oder krank geworden und — ich wage den Gedanken gar nicht zu verfolgen.«
»Lassen Sie den Muth da nicht sinken,« sagte Mac Culloch freundlich, »in unserer Luft liegt eine merkwürdige Lebenskraft, die den Fremden unglaublich lange Zeit über Wasser hält. Aber apropos, Sie sind aus Heilingen Herr Dollinger, nicht wahr? — ich habe da vor einiger Zeit einen Schreiber zu mir in Dienst genommen, der vor mehren Monaten von Deutschland, und wenn ich nicht ganz irre, aus derselben Stadt gekommen ist. Der Mann wohnt seit der Zeit hier in New-Orleans in einem deutschen Gasthaus, und es wäre gar nicht unmöglich, daß er uns über seine so specielle Landsmännin irgend eine Auskunft zu geben vermöchte; jedenfalls können wir ihn fragen.«
»Wie heißt der Mann?« frug Herr Dollinger rasch.
»Fortmann, Julius Fortmann glaub' ich.«
»Den kenne ich nicht,« sagte Herr Dollinger kopfschüttelnd.
»Das schadet Nichts, fragen können wir ihn doch,« sagte Mac Culloch aufstehend und seinen Hut nehmend — »wir brauchen nur über jenen Gang zu gehn — hier, wenn ich bitten darf — dort in der ersten Thüre rechts sitzt Herr Fortmann.«