»Wir werden richtig heute noch fertig!« rief ihnen Eduard schon von weitem entgegen, »und können Morgen zu Mariens Geburtstag den Nachmittags Kaffee hier oben trinken — kommen Sie nur einmal herauf, Herr von Hopfgarten, und sehn Sie sich die wundervolle Aussicht an!«
Die beiden Männer kletterten die schmale, etwas schwanke Treppe hinauf, wo die beiden jungen Leute in der That ein reizendes Plätzchen hergerichtet hatten, das auf der einen Seite, eine durch die Wipfel geschnittene Aussicht nach den Hügeln zu gewährte, und auf der anderen, über das niedere Unterholz weg nach dem flacheren Lande hin zeigte. Im Hintergrund trat dabei noch die breite Lichtung einer Nachbarfarm, mit ihrem großen Viereck von grünem Mais, und den regelmäßig darum gezogenen Fenzen, den kleinen wie silbergrau schimmernden Gebäuden, und dem gerade und blau daraus aufsteigenden Rauch gar so freundlich hervor, und bot einen in der That wundervollen Blick dorthin.
»Das ist recht hübsch — wirklich recht hübsch angelegt,« sagte Hopfgarten, »und verräth viel Geschmack — viel Sinn für Naturschönheit; aber — «
»Und Sie glauben gar nicht was es uns für Mühe gekostet hat, die rechten Wipfel und Äste zum Ausschneiden zu treffen,« unterbrach ihn Theobald, »der Mann, den wir dazu hatten, mußte wohl zwanzig Mal in die verschiedenen Bäume hinauf, bald da, bald dort noch etwas wegzuschneiden was, im Anfang versehen, den ganzen Eindruck gestört hätte, und ein paar Bäume mußten wir zuletzt ganz fällen, um sie nur aus dem Weg zu bekommen. Wir haben uns doch über drei Wochen mit dem kleinen unscheinbaren Ding da herumgequält.«
»Die Einweihung soll aber auch feierlich genug werden; es ist prächtig, daß Sie gerade so zu rechter Zeit eingetroffen sind,« rief Eduard, »und wenn ich heute Nachmittag oder Abend noch Glück habe, schieß' ich auch den Hirsch, der nun schon seit über zwei Monaten von den Nachbarn in unserer Gegend gesehn ist, und dem ich mehr als zwanzig Mal, immer vergebens, zu Gefallen gegangen bin. Ganze Tage habe ich auf dem Anstand gesessen, und einmal hätt' ich ihn beinah bekommen. Jetzt kenn' ich aber seinen Wechsel, und diesen Abend müßte es mit was Anderem zugehn, wenn er mir nicht vor's Gewehr liefe.«
Die jungen Leute ergingen sich dann, während ihnen der Professor lächelnd zuhörte, noch in einer Menge von Plänen und Ideen, wie dieser kleine Platz, den sie ihr sans souci nennen wollten, nach und nach zu einem kleinen »Taschenparadies« umgeschaffen werden solle, den Amerikanern in der Nachbarschaft auch einmal zu beweisen, wie sich die Schönheiten des Landes, nicht nur immer die Ackerkrume, ausbeuten und verwerthen ließen. Hopfgarten, der eigentlich im Sinn gehabt hatte, sie darauf aufmerksam zu machen, daß doch wohl jetzt, im ersten Beginn einer Farm, Wichtigeres und Nothwendigeres zu thun bleibe, als auf die Verschönerung des Platzes zu denken, schwieg und hörte ihnen, langsam, aber lange nicht selber überzeugt, mit dem Kopfe dabei nickend zu. Der Professor, der seine eigenen Verhältnisse am Besten kannte, mußte doch jedenfalls auch am Besten wissen, ob er jetzt Zeit, Geld und Menschenkräfte, drei sehr wichtige Dinge bei einer neuen Ansiedlung und in Wirklichkeit die drei Hauptadern des Ganzen, darauf verwenden durfte, solche — er hatte nicht gleich in seinen Gedanken einen anderen Namen dafür — Allotria zu treiben.
Während die jungen Leute noch mit ihrem sans souci beschäftigt blieben, ging der Professor mit Hopfgarten den Weg wieder zurück, und um die Farm herum, auch die anderen Arbeiter an ihren verschiedenen Plätzen zu besuchen, und kamen zunächst zu der kleinen Lichtung, wo Georg eben damit beschäftigt war, mit einem anderen Deutschen die ersten Pfosten für die beabsichtigte Mühle einzugraben. Die Leute arbeiteten hier fleißig und aus allen Kräften, hatten das Holz schon sämmtlich behauen und herbeigeschleppt, Schindeln gespalten und aufgehäuft, daß sie vor der Benutzung nicht faulen möchten und es fehlte nur eben noch am Aufrichten, was gerade heute begonnen werden sollte.
»Es ist mir recht lieb, daß Sie herkommen, Herr Professor,« sagte Georg nach der ersten Begrüßung und als sein Principal zu den gegrabenen Löchern getreten war, ihre Tiefe anzusehn, »das Wasserrad ist doch noch nicht fertig, und das Aufrichten können wir in einigen Tagen beenden, so wollten wir Sie fragen, ob wir die Stützen nicht lieber noch ein wenig weiter hinausrücken dürften; wir haben Schindeln genug und die Querbalken sind auch noch nicht abgeschnitten.«
»Weshalb?« frug der Professor, sich rasch nach ihm umwendend.
»Mir kommt das Ganze im Innern ein wenig zu eng vor,« sagte Georg leicht erröthend.