»Dort ist noch ein Schaaf!« schrie der Geistliche von der Kanzel nieder, mit dem Arm auf den begeisterten Scheerenschleifer deutend, und mit funkelnden, fast wie beutelustigen Augen die Wirkung seiner Rede an dem Fremden beobachtend — »dort ist ein verirrtes, abtrünniges Schaaf das zur Heerde zurückkehrt — ein Lamm das sich in den Händen des Herrn vor den Krallen des Teufels bergen will — eine Taube, die den Fängen des ewig nagenden Geyers zu entziehen sucht. — Oh komm — komm Lamm Gottes — komm in den himmlischen Pferch — komm in die Arme des Heilands, die sich liebend und sehnsüchtig nach Dir ausstrecken — oh komm — oh komm! —«
»Ich bin ein arger Sünder gewesen!« schrie da Maulbeere, plötzlich seine Brust schlagend und einen vergeblichen Versuch machend sich von der dicken Schwarzen zu befreien — »ein nichtswürdiger, verstockter Sünder — eine Kerze des Satans, ein Pflegekind der Hölle — der rothen, feurigen, flammenden Hölle.«
»Oh do—nt — do—nt — oh Loooood« schrie die Schwarze dazwischen.
»Aber ich fühle die Kraft in mir,« fuhr Maulbeere in seiner Begeisterung fort — »Alles abzuwerfen was mich bis dahin gehalten (ausgenommen die Schwarze, die nicht von ihm ließ), ich fühle den Geist kommen — ja Brüder, ja Schwestern, ich fühle den Geist kommen, den heiligen, lieben, gesegneten Geist!«
»Oh glory — glory — glory — happy — happy!«
»Ich fühle, wie es in mir tobt und wühlt und brennt; das ist das Feuer das die Sünde läutert, das ist der letzte Rest der Sünden die jetzt verkohlen und verfliegen — ich komme — ich komme — heih!«
Seine Worte arteten zuletzt in eine Art Geheul aus — Augen schienen aus ihren Höhlen herauszudrängen, die struppigen Haare sahen in diesem Augenblick so aus als ob sie vor Entsetzen emporständen, und mit einer gewaltigen und wirklich verzweifelten Kraftanstrengung aus den ihn umklammernden Armen der Negerin sich herauswindend, und jetzt ebenfalls glory, glory, happy, happy rufend, arbeitete er sich nach dem schon vollgedrängten Pferch durch, kletterte über die Fenz, sprang mitten in den Haufen hinein, und verschwand dort in dem Gewühl und Zucken menschlicher Gliedmaßen, die sich auf dem bestreuten Boden wanden.
Capitel 3.
Der wandernde Krämer.
Warm und freundlich schien die Sonne nieder auf die weiten grünen Prairieen von Illinois, die sich in ungeheueren Flächen, nur hie und da von einem dunklen Streifen hoher Eichen unterbrochen, nach Nord und Süd, nach Ost und Westen dehnten. Wie eine wogende See stand dabei das hohe, üppige Gras in der frischen Westbrise, die darüber hinstrich, und lichte, rasch über die Oberfläche laufende Wellen bildete, täuschend ähnlich einer ruhigen See, über die ein leiser Passat die leicht gekräußten, eben nur sich hebenden Wogen zieht.