»Herr Maulbeere!« rief Hopfgarten, in diesem Augenblick selbst Henkel vergessend, »träume ich denn oder wach ich — sind Sie es, oder sind Sie es nicht?«
»Mein lieber Herr von Hopfgarten,« sagte der Angeredete, dem wirklich Verblüfften, mit einem milden Lächeln in dem glatt rasirten Gesicht, die Hand reichend und feierlich schüttelnd, »es ist mir ein ungemein wohlthuendes Gefühl, Sie nach so langer Trennung wieder einmal begrüßen zu können — ich habe in meinen Gebeten manches Mal recht freundlich Ihrer gedacht.«
Hopfgarten blinzte mit den Augen, trat sich auf den Fuß und suchte sich im Anfang wirklich erst ordentlich gewaltsam davon zu überzeugen, daß er nicht träume, und mit wachenden Augen den schmutzigen Scheerenschleifer Maulbeere, den Schnapsprediger von der Haidschnucke, solcher Art ausgekrochen und als Schmetterling — als Braunes Ordensband — der Gedanke kam ihm unwillkürlich — in der sonnigen Luft herumflattern zu sehn. Aber Maulbeere lebte und athmete, that auch Nichts, das Erstaunen des vor ihm Stehenden zu beseitigen, sondern schien sich eher an dessen Überraschung zu weiden.
»Aber wie, um Gottes Willen, kommen Sie in diesen Rock, in diese Gesellschaft?« rief er endlich, jede weitere Höflichkeit bei Seite setzend, aus — »ja, wenn mir Jemand des Himmels Einsturz —«
»Spotten Sie nicht, oder profaniren Sie nicht eine so heilige, ernste Sache« — unterbrach ihn aber Maulbeere schnell und fast ängstlich. »Daß der Herr da oben« — und er warf einen frommen Blick nach der Decke hinauf, »Wunder thut, brauche ich Ihnen, als gebildetem Mann, nicht zu sagen. Sein Geist hat mich erleuchtet — Sein Hauch den Teufel ausgeblasen, der in mir lebte und thätig war — der Herr hat Gräuel an den verkehrten Herzen, und Wohlgefallen an den Frommen — der Gottlose ist wie ein Wetter, das überhingeht, und nicht mehr ist, der Gerechte aber bestehet ewiglich — der Mund des Gerechten bringt Weisheit, aber das Maul des Verkehrten wird ausgerottet — rühme Dich nicht des folgenden Tages, denn Du weißt nicht, was heute sich begeben mag.«
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Capitel 8. Click to [ENLARGE] |
»Aber wie ist es möglich gewesen, in der kurzen Zeit eine solche Verwandlung —«
»Der Herr ist Allen gnädig,« sagte Maulbeere, mit einem zweiten frommen Blick die Hände faltend, »und erbarmet sich aller seiner Werke — des Herrn Geist stieg auf seinen Knecht nieder in der Nacht des Unglaubens, da Alles finster war, und siehe da, ein feines Lämplein wurde aufgestellt in dem Tummelplatz des Satans, und sein helles, goldenes Licht trieb die Sünde aus dem gereinigten Gefäß!«
Hopfgarten schüttelte immer noch, wie seinen Sinnen nicht recht trauend, den Kopf. Die Gestalt vor ihm aber hatte Fleisch und Bein, und der braune Rock so wenig, wie die schneeweiße, reine Binde ließen sich wegleugnen.
Die übrigen Geistlichen hatten sich indeß in der Cajüte versammelt, ein paar Minuten leise mitsammen geflüstert, und Einer von ihnen kam jetzt wieder der Thüre zu, wo die Beiden standen und sagte mit einem milden, lächelnden Blick: