»Es ist Sitte bei uns, die Frauen nur nach dem Namen ihres Mannes zu nennen,« erwiederte der Jäger, »selbst unsere eigenen; ich kann ihn aber trotzdem doch wohl einmal gehört haben, denn ich kam früher öfter mit Olnitzki zusammen.«

»Und jetzt nicht mehr?« —

»Oh doch ja, dann und wann wenigstens,« sagte der Mann ausweichend; »er ist gerade ebenso wie wir Anderen — eben nicht umgänglicher Natur, und hält seine Büchse und Hunde für die beste Gesellschaft auf der Welt.«

»Aber die arme Frau — sie verkehrt doch wenigstens mit ihren Nachbarn?« frug Amalie.

»Sie? — o ja — ja wohl« — sagte der Jäger — »im letzten Winter war sie zweimal bei uns hüben, und meine Alte auch dort, und wie ihr vor zwei Jahren das Kind krank wurde und dann starb, ist wenigstens eine von den benachbarten Frauen fortwährend und abwechselnd bei ihr gewesen — sie wurde auch damals selber krank und mußte doch eine Pflege haben.«

»Lieber Gott, im letzten Winter,« seufzte Amalie still und kaum hörbar vor sich hin, und der Wald schien ihr ordentlich unheimlich dazu zu rauschen, in seiner öden Einsamkeit. Sie fürchtete auch von dem Augenblick an wirklich eine weitere Frage zu thun, bis ihr Führer selber wieder das Schweigen brach.

»Ihr habt die Schwester seit langer Zeit nicht gesehn?«

»Seit zehn Jahren nicht.«

»Eine lange Zeit, und wir werden alt dabei.«

»Sidonie war noch so jung wie sie die Heimath verließ.«