»Ruhe Ihr Bestien!« lachte dabei der Jäger vom Pferd herunter, »Ruhe und nieder mit Euch Canaillen — Dony, nimm einmal ein paar Brände heraus und wirf sie zwischen die Satansthiere, sie ziehen mich sonst wahrhaftig noch vom Pferd hinunter. — Zurück mit Euch Watch und Bull — warte Bestie, wenn ich hinunter komme dreh ich Dir den Hals um für den Biß.«

»Das Kind ist kränker geworden als es war, Olnitzki,« bat die Frau — »geh nur wenigstens mit dem furchtbaren Lärm hier von der Thüre weg; es stirbt mir ja vor Angst und Schreck.«

»Ah bah — das ist zäh und stirbt nicht,« sagte der Mann finster, »sonst wären wir den Jammer lange los,« und hinunter springend vom Pferd, das er sich selber überließ, während er den jungen Bär mit riesiger Kraft in den linken Arm gepreßt hielt, führte er mit dem scharfen Büchsenkolben wohlgezielte Stöße gegen die heranpressenden Hunde, die sie heulend zurücktrieben in sichere Entfernung. Den Gefangenen dann zu Boden werfend, nahm er eine Kette herunter, die an einem der äußeren Balken des Hauses hing, befestigte sie mit einem starken Ledergurt um den Hals des Thieres, das er zu einem der nächsten Bäume trug, schlug das andere Ende der Kette um einen der unteren Äste, und die Banden dann rasch mit dem Messer lösend sprang er zurück und rief lachend.

»So mein Bursche, nun wehre Dich selber Deiner Haut! hupih! Ihr Rüden — hupih — jetzt thut was Ihr könnt.«

Und mit dem Jagdruf warf sich die Meute in toller Wuth gegen den kaum entfesselten jungen Bär, und hätte ihn zerrissen, wäre dieser nicht rasch und gewandt, seine theilweise Freiheit benutzend, an dem Stamm, an den ihn die Kette gefesselt hielt, emporgeklettert, wo er sich dann auf dem untersten Aste festsetzte, und mit zurückgelegten Ohren und fletschenden Zähnen nach den gierig und wild gegen ihn aufspringenden Hunden hinunter hieb.

»Hahahaha, das ist göttlich, das ist kostbar!« schrie und jubelte dabei der Pole, »hupih meine Burschen, hupih! brav Watch, beinah hoch genug, aber der schwarze Bursche theilt auch dafür böse Ohrfeigen aus — hupih — hahahahaha! Aber Wetter noch einmal,« unterbrach er sich dabei, »wie er mich selber da zugerichtet hat — Dony, Dony, da wirst Du tüchtig mit Nadel und Zwirn und Heftpflaster nachhelfen müssen, alle die verschiedenen Risse an Leib und Jacke wieder in Ordnung zu bringen — hallo — wen haben wir hier?«

Der überraschte Ausruf galt der Fremden, die er nicht wieder erkannte, und in seiner Hütte fand als er die Schwelle betrat. »Wie gehts, Madame? weshalb setzen Sie sich nicht? hier ist ja noch ein Stuhl — wohl eine neue Nachbarin von uns?«

»Sie kennen mich nicht mehr, Graf Olnitzki?« sagte Amalie aber auf die englische Anrede in deutscher Sprache — »ist mein Gesicht Ihnen in den zehn Jahren so gänzlich fremd geworden?«

»Alle Wetter!« rief der Pole, überrascht einen Schritt zurücktretend und die Thür hinter sich aufstoßend, mehr Licht in den inneren fensterlosen Raum zu bekommen — »ist das nicht — ist das nicht Fräulein Amalie, meine sehr verehrte Schwägerin? aber zum Teufel, Schwägerin, wo kommen Sie auf einmal her, hier mitten in den Wald hinein? — Nun einerlei, das erzählen Sie mir nachher; jetzt sein Sie uns herzlich willkommen, und machen Sie es sich so bequem wie — nun wie es die Umstände gerade erlauben. Es ist gerade nicht verdammt bequem bei uns, läßt sich aber doch aushalten und genügt für den Wald. Gegen die Indianer leben wir noch immer wie die Fürsten.«

Er hatte ihr dabei die rechte Hand entgegengestreckt, zog sie aber lachend zurück, denn sie war mit Blut bedeckt.