»Hallo Ihr Leute — guten Tag — was bringt Ihr da?« rief er hinaus — »Wetter noch einmal Rosemore, seid Ihr ein wandernder Krämer geworden, der mit seinen Packen im Lande herumzieht, Band und Stecknadeln zu verkaufen? — ah Jack, Ihr führt wohl die Provisionen mit? — nur herein mit Euch, der Kaffee wird gleich fertig sein, und ein heißer Becher voll uns gut thun.«

»Zum Henker noch einmal, Olnitzki, wie seht Ihr denn aus?« sagte Jack Owen, der indeß vom Pferde gestiegen war und das Wildpret auf der Schulter auf ihm zu kam — »wer hat Euch denn so zugerichtet?«

»Der Bursche da und seine Mutter,« lachte der Pole, auf den aufgebäumten jungen Bär deutend, »aber was solls mit dem Wilde?«

»Ihr habt Besuch bekommen,« meinte der Jäger leicht erröthend, »und da ich nicht wußte ob Ihr gerade frisch Fleisch im Hause hättet, wollte ich Euerer Frau das Stück hier, das ich an der Gründorn-Ebene drüben vor einer Stunde etwa geschossen, herüber legen — mir sind die Woche ein paar vor die Büchse gelaufen.«

»Und die Sachen da draußen?«

»Gehören der Dame — Euerer Frau, Schwester, glaub' ich, die gestern von Little Rock mit Billy Jones Geschirr herübergekommen.«

»So? — so ist die Sache? nur herein Ihr Leute — stellt die Geschichten nur indeß da vorne hin, Rosemore; kann Euch wahrhaftig nicht einmal dabei helfen, denn der verdammte Bär hat mir die Arme so zerfetzt, daß sie mir steif und matt zu werden anfangen.«

Der alte Rosemore, der mit Bill Jones und Owens Hülfe die Kisten und Koffer bis zum Haus geschafft, trat jetzt mit diesem hinein, begrüßte die Frauen, frug nach dem kranken Kind, das er sich aufmerksam betrachtete und der Mutter verschiedene Kräuter anrieth, ein Bad daraus zu bereiten, und ließ sich dann von Olnitzki sein Abenteuer mit dem Bär erzählen, wollte aber unter keiner Bedingung mit zum Essen bleiben; er sah wie beengt der Raum schon ohnedieß da war, und weigerte sich auch schon jetzt eine Bezahlung für den Transport der Sachen anzunehmen. Die Maulthiere gehörten nicht ihm, wie er sagte, und er mußte den Eigenthümer erst fragen, was er für den halben Arbeitstag für sie verlange — seinen eigenen Spatziergang verstünde es sich wohl von selbst, daß er den nicht rechnete.

Olnitzki redete den Nachbarn auch eben nicht besonders zu noch zu verweilen, und eine Viertelstunde später trabten diese wieder, auf den indeß ausgeruhten Thieren, der eigenen Heimath zu.

Sidonie hatte indessen der Schwester Hülfe für heute, da sie ja noch nicht bescheid wisse in Haus und Wirthschaft, lächelnd abgelehnt, und Kaffee gemahlen und von dem frischen Fleisch in die Pfanne geschnitten, so daß bald ein recht gutes, nahrhaftes Mahl von Maisbrod und Wildpret, Honig und Kaffee auf dem reinlich gedeckten Tische dampfte. Nur mit Sitzen, wie mit Geschirr und Messer und Gabeln sah es ärmlich aus. Amalie bekam die einzige noch ordentliche Gabel mit dem dazu gehörigen Messer, Olnitzki nahm seinen Genickfänger, mit einer einzinkigen Gabel, das Fleisch, das er schneiden wollte, damit zu halten, und Sidonie benutzte ein ausgeschnittenes Stück Rohr, das allem Anschein nach schon lange diesen Dienst verrichtet, abwechselnd des Gatten Messer dabei gebrauchend. Auch für den Kaffee bekam die Schwester eine der freilich henkellosen Tassen aus der alten Zeit, und wenn die Untertasse auch nicht dazu paßte, trank es sich doch besser daraus wie aus den Blechbechern, die von Olnitzki und seiner Frau benutzt wurden. Aber ein eigenes unheimliches Gefühl bemächtigte sich der Schwester, als sie den breiten Goldrand des zerbrochenen Geschirrs neben der blechernen Schüssel stehen sah, und dann der Zeit gedachte wo sie selber diese Tasse einst der jungen hoffnungsseligen Braut geschenkt.