Hamann und Messerschmidt, obgleich der letztere von derber, untersetzter Statur war, getrauten sich nicht den Burschen zum Ärgsten zu treiben und Hamann besonders sagte schnell und höflich:
»Aber so machen Sie doch nur nicht solch einen Lärm, bester Herr Patrick — wenn Sie Ihre Arbeit für so viel werth halten, habe ich auch nicht das Mindeste dagegen — lassen Sie sich nur unten Ihr Bündel geben.«
»Natürlich,« sagte Patrick, der seinen Vortheil rasch übersah, lachend, »Alles in Ordnung Mr. Hamann — geht wie geschmiert, bitte dann nur um die Quittung für bezahlte Kost.«
Hamann wollte sich noch weigern etwas Schriftliches zu geben, er sah aber auch bald daß er den Burschen nicht anders los würde, und schrieb ihm rasch ein paar Zeilen für den barkeeper auf.
»Danke Sir,« sagte der Ire, das Geschriebene durchbuchstabirend und dann in die Westentasche drückend — »jetzt ist's aber an mir zu traktiren — wollen Sie nicht mit hinunter gehn und eins mit mir trinken?«
»Sie haben doch jetzt Alles was Sie wollen?« sagte Herr Hamann, nun auch endlich ungeduldig werdend.
»Haha, nichts für ungut,« rief aber der Ire, »wenn ein Gentleman den andern traktiren will, ist das eine Höflichkeit und muß auch als solche betrachtet werden; aber never mind — wenn Sie nicht wollen, so viel besser, und nun good bye Gentlemen.« Und die Hände in die Tasche schiebend, während er sich eine seiner Irischen Jigs pfiff, verließ Patrick, mit vollem Grund höchst zufrieden über seinen Erfolg, das Zimmer, und eine Viertelstunde später, mit seinem Bündel unter dem Arm auch das Haus, in dem er sich fast drei Wochen Kost und Logis durch ein paar Tage leichte Arbeit ertrotzt hatte.
»Sie sollten einen Constabler rufen und den Burschen arretiren lassen,« sagte Herr Messerschmidt ärgerlich, wie der Ire das Zimmer verlassen hatte.
»Daß mir die Schufte nachher das Haus oder den Schenkstand demoliren,« knurrte Herr Hamann, »nein der Lump mag laufen, fällt mir vielleicht einmal wieder auf andere Art unter die Hände, aber eine Warnung soll mir's für die Zukunft sein, keine Iren wieder in mein Haus zu nehmen — es ist trunknes, rauflustiges, betrügerisches Volk; da lob' ich mir die Deutschen, die nehmen Vernunft an, und haben vor der Polizei Respekt. Aber lieber Gott, mir ist der Ärger ordentlich in die Glieder geschlagen, und Sie thäten mir einen großen Gefallen, Herr Messerschmidt, wenn Sie mir durch einen der Leute unten ein Glas Wein heraufschickten.«
»Mit Vergnügen,« sagte Herr Messerschmidt, seinen Hut aufgreifend und im Begriff das Zimmer zu verlassen — »apropos Herr Hamann — die Aktien, die Sie im vorigen Jahr gekauft haben, sind ja in den letzten Wochen fabelhaft gestiegen — Sie müssen ein rasendes Geld daran verdient haben.«