In Memphis angekommen, wurden die Verwundeten gelandet und ärztlicher Pflege dort übergeben, und der Capitain der »Mississippi-Belle« wie das Dampfboot hieß das sie aufgenommen, erbot sich freundlich Passagiere und Mannschaft der Backwoods-Queen die sämmtlich ihr Gepäck mit dem Untergang des Bootes verloren hatten, unentgeltlich mit nach St. Louis zu nehmen, wohin auch er bestimmt war. Die meisten nahmen dieß großmüthige Anerbieten an, obgleich fast Alle, wie auch Wolf und Georg, ihr baares Geld bei sich trugen und gerettet hatten, nur Wolf verlangte seine Passage als Feuermann abarbeiten zu dürfen, wobei sich ihm Donner anschloß. Der Capitain lachte freilich über die eigensinnigen Burschen, ließ sie aber gewähren, und Wolf wie Georg wurden Feuerleute auf der Mississippi-Belle.

Die Frau brachte Georg, kurz vor der Abfahrt des Bootes, in ein deutsches Kosthaus, und bat die Leute dort sich ihrer anzunehmen, bis sie sich erholt habe; er selber wolle dann auf dem Rückweg wieder vorsprechen, und gern die Kosten, zu denen er schon einige Dollar da ließ, tragen.

Die Frau sprach dabei kein Wort — sie dankte ihm nicht, sie sah nicht auf, und saß still und regungslos, wie sie am Feuer gesessen hatte, in der Ecke, als er das Haus verließ.

Capitel 7.

Die Deutschen in Cincinnati.

Herr von Hopfgarten, den wir auf seiner Fahrt nach Cincinnati verlassen haben, hatte sich indessen in der »Königin des Westens« wie sie ernsthaft, oder Porkopolis — wie sie der ungeheueren Masse Schweine wegen, die dort jährlich geschlachtet und verschickt werden, scherzhaft im Lande heißt, einige Wochen aufgehalten, um sich mit dem Leben und Treiben einer der inneren Städte Amerikas bekannt zu machen.

Die Lage Cincinnatis, das den Centralpunkt aller dort gelegenen deutschen Ansiedelungen bildet, ist reizend; der wunderschöne Ohio (schon von den Indianern O-hy-o — der schöne Strom genannt) bespühlt ihren Fuß und bietet ihr eine treffliche Landung, an der die größten Mississippi-Dampfer ihre Frachten ein- und ausladen können, während freundliche, jetzt schon vielfach mit Reben bepflanzte Hügel die Stadt im Rücken umschließen. Es kam ihm dabei so vor, als ob fast der dritte Theil der Einwohner Deutsche wären, und einzelne Viertel besonders schienen nur von Landsleuten bewohnt, ja auf dem trefflich bestellten Markt hörte man kaum etwas anderes als Deutsch sprechen, und besonders amüsirte es ihn dabei die Verschmelzung der Trachten, den Übergang des deutschen Bauers, der nur erst nach hartnäckigem Widerstand in jeder Hinsicht den deutschen Bauer auszieht, in den Amerikaner zu beobachten.

Wunderliche Transformationen kamen da vor, nicht unähnlich denen, wie man sie überall an wilden Stämmen beobachten kann, und unser deutscher Bauer hat wirklich einige Ähnlichkeit, so sonderbar das klingen mag, mit dem Indianer. An seinen alten Sitten mit einer Zähigkeit hängend die ihres Gleichen sucht, betrachtet er Jeden der ihm daran rütteln will mistrauisch, eifersüchtig selbst — sein Vater hat das so und so gethan und so war's gut, warum sollt's jetzt wohl anders werden — etwa weil »Stadtmenschen mit Brillen auf, die das aus Büchern gelesen haben« — meinen sie könnten es besser machen? die hatten jedenfalls ihre Absichten, suchten ihren Vortheil dabei, das war Alles. So gehn sie auch nach Amerika, nicht etwa weil sie sich dort ein freieres, ungebundeners Schaffen versprechen, sondern weil ihnen Steuern und Abgaben im alten Vaterland zu drückend werden, und Briefe auf Briefe von dort herüberkommen, die ihnen mit goldenen Schilderungen den Mund so lange wässrig machen, bis sie eben nicht länger widerstehen können und nun auswandern. Und nicht um dort zu lernen, und sich den Sitten und Gebräuchen der neuen Heimath zu fügen, betreten sie das fremde Land, sondern fest überzeugt daß sie den Leuten dort noch zeigen müssen wie man ackert und säet. Ihre eigene Sitten, ihr eignes Ackergeräth und Handwerkszeug, so unpraktisch das sein mag, so wenig es den dortigen Bedingnissen entspricht, ändern sie auch deshalb nicht, bis nicht ihre Kinder herangewachsen und den Bettel aus dem Hause werfen, oder die Noth sie zwingt das eine oder andere zu verbessern.

So mit ihrer Kleidung; mit den langen blauen Zimmermannsröcken mit fingerbreiten Kragen, und riesigen, zwischen den Schößen zeitweilig herausfahrenden weißleinenen Taschen, mit dem ausgeschweiften Hut und den kolossalen Schuhen, und die Frauen mit ihren kurzen Röcken und weiten Ärmeln, den wunderlichen Hauben, dick wattirten, wulstigen Jacken und tausendfach gefalteten Röcken, wie lange währt das, bis sie auch nur das kleinste daran ändern, und thun sie's selbst, legen sie das und jenes ab, und dieß und das dafür an, die Art wie sie's tragen bleibt dieselbe, und der Deutsche ist im Nu herauszufinden.

Herr von Hopfgarten hatte Briefe an ein paar deutsche Kaufleute mit. Der Eine, den er zuerst besuchte, hielt einen Laden im Mainstreet, und schien durch Importiren deutscher Waaren ein ziemliches Vermögen erworben, sein Deutsch aber dabei vergessen zu haben. Er sprach nur Englisch — wenn auch freilich mit traurigem Accent — selbst mit seinen deutschen Dienstleuten, die sich abquälen mußten ihn nur zu verstehen — kleidete sich ganz Amerikanisch, d.h. er coquettirte damit einen sehr feinen, aber an dem einen Ellbogen zerrissnen Rock zu tragen, besuchte den ganzen Sonntag Amerikanische Kirchen und — kaute Taback.