»Schuft!« schrie Fritz und sprang in wilder Wuth auf den Buben zu, der seinen treuen Hund auf so niederträchtige Weise mißhandelte, und den er, ehe es die Umstehenden verhindern konnten, mit kräftigem gutgemeinten Faustschlag in's Gesicht traf.

»Hollo Ferschterchen!« riefen aber Krautsch und Andere dazwischen springend, »hier wird nischt gereecht – Euer Handwerk is Uech gelegt, un jetzt braucht er nich mehr dumm zu thun. – Uff uns Bauern sidd er lange genug herim getrappelt, jetzt wullen mer emol e Wailchen oben uf sitzen.«

»Hund verdammter!« brüllte aber jetzt auch Müllers Friede, der von dem Schlag betäubt zurücktaumelte, und sein rechtes Auge im Nu fast aufschwellen fühlte – »er hat mich geschlagen.«

»Ei Du Wetterkriate!« schrie Krautsch und wollte auf den Jäger zuspringen, dieser aber trat rasch einen Schritt zurück, wo er rings um sich her einen kleinen Raum frei hatte, und rief, die Flinte im Anschlag, die Schaar mit finsterem drohenden Blicke überfliegend:

»Wer mich anrührt, ist ein Kind des Todes – zurück da – oder beim ewigen Gott, ich mache eine Leiche aus ihm.«

»Ah, Papperlapapp,« lachte Krautsch, »'s wird nich gleich so gefährlich sin – här mit 'er Muschkete, Mosjechen, Ihr sidd hier uf fremmen Grund un Boden, un hat mer meine ooch weggenommen – Wurscht wieder Wurscht.«

Es hatte sich indessen um den Jäger, den in seiner drohenden Stellung doch keiner, selbst Krautsch nicht, anzugreifen wagte, ein Kreis von Bauern gebildet, als Müllers Friede, durch den erhalten Schlag, wie durch den Schmerz seines Auges zur wildesten Wuth angestachelt, ausrief:

»Der Hund darf nicht gesund wieder fort, so lange ich noch ein Glied am Leibe rühren kann, aber erst wollen wir ihn einmal nackt durch Skorditz jagen, wie sie's dem Jäger in Hohenbuchen auch gemacht haben – nehmt ihm das Schießeisen ab und reißt ihm die grünen Fetzen vom Leibe und nachher soll er Spießruthen laufen!«

»Zurück da!« schrie Fritz, die Hand am Drücker, obgleich aber jetzt von allen Seiten die jungen kräftigen Bursche, die auch selbst nicht recht glaubten, daß er wirklich schießen würde, zusprangen, konnte er es nicht über's Herz bringen, abzudrücken – es war ein Menschenleben, das auf dem Spiele stand, und hier wehrte er sich vielleicht seiner eignen Haut auch noch so. Die Flinte also hoch haltend, um sie den Händen der danach Greifenden zu entziehen, schlug er mit der Rechten so tüchtig und kunstgerecht um sich her, daß er für wenige Momente die Andrängenden kräftig im Schach hielt und mit nur einiger Hülfe von Außen den Leuten wohl zu schaffen genug gemacht hätte; so aber konnte er gegen die Uebermacht doch nicht lange ankämpfen. Von hinten fielen sie ihm in die Arme, entrissen ihm das Gewehr, faßten ihm die Ellbogen, und hielten ihn so, daß er sich nicht regen und rühren konnte.

»Nun 'runter mit den Kleidern!« schrie Müllers Friede, der in dem letzten Kampfe noch einen Schlag bekommen hatte, vor Wuth schäumend – »runter damit und dann die Canaille durch's Dorf gejagt.«