»Ich bin getroffen!« schrie da Müller – lief mit ausgestreckten Armen wohl fünf Schritte hinter dem jetzt in flüchtigen Sätzen entspringenden Jäger her und stürzte dann – eine Leiche – auf das Gesicht nieder.
»Faßt ihn – haltet ihn!« rief Krautsch, dem durch den Schnitt über's Gesicht das Blut in die Augen gelaufen war, daß er diese nicht einmal öffnen konnte.
Aber keiner regte sich von der Stelle – der Tod war zu plötzlich und entsetzlich zwischen sie getreten, als daß sie in diesem Augenblicke Lust zu weiterer Gewaltthat gehabt, oder auch nur an Verfolgung gedacht hätten.
Fritz entsprang dem Walde zu, um dort den Feinden, falls sie ihm nachsetzen sollten, am leichtesten zu entgehn, da er aber keinen derselben hinter sich sah, änderte er seine Richtung und floh jetzt, so rasch er konnte, dem unteren Theile von Horneck, in dem das Rittergut lag, zu.
Zweites Kapitel.
Der Oberpostdirector.
»Der Herr Oberpostdirector sind eben von der Jagd zurückgekommen, aber sogleich zu sprechen – wenn der Herr Doctor sich nur einen Augenblick gedulden, und hier gefälligst eintreten wollten,« sagte der alte Poller, und öffnete mit einem knechtischen unterthänigsten Diener die Thür des nächsten Zimmers.
»Gut – schön,« sagte Wahlert zerstreut, nahm den Hut ab, und betrat das Gemach, wo er, als er Niemanden darin erblickte, rasch und ungeduldig hin und wieder schritt – manchmal am Fenster stehen blieb, in den Hof hinabsah, wieder umkehrte, und seine Wanderung von Neuem begann.
Endlich ging die aus dem Nebenzimmer hereinführende Thür auf, und der Herr von Gaulitz betrat mit höflicher, mild freundlicher Verbeugung das Zimmer. Doctor Wahlert erwiederte kalt und förmlich den Gruß.
»Ah, Herr Doctor Wahlert,« sagte, als ob er einen lieben, lange nicht gesehenen Freund ganz plötzlich wieder erkannt hätte, der Oberpostdirector – »ei, das freut mich ja doch ganz ungemein, daß Sie mir die Ehre geben. Es waren allerdings ganz eigenthümliche Verhältnisse, unter denen wir uns das letzte Mal sahen, aber die Zeit – die Umstände – Sie werden – Sie haben gewiß – Sie tragen mir gewiß keinen Groll deshalb nach, nicht wahr, mein guter Herr Doctor – ganz eigenthümliche Verhältnisse. – Was – wenn ich fragen darf, – verschafft mir denn jetzt eigentlich das so ganz unerwartete Vergnügen? – aber bitte, wollen Sie sich denn nicht setzen?«
»Wunderbarer Weise führen mich eben so eigenthümliche Verhältnisse, auch durch die Zeit geboten, zu Ihnen her,« erwiederte ihm, die Einladung zum Sitzen mit leiser Handbewegung ablehnend, Wahlert. »Herr Oberpostdirector, ich komme nicht für mich, sondern für ein anderes unglückseliges Geschöpf, das Sie elend gemacht haben, hierher, Gerechtigkeit zu verlangen – Gerechtigkeit zu fordern, und wenn ich sie nicht erlangen kann, sie im schlimmsten Fall zu – erzwingen. Es ist besser, daß wir uns ohne weiteres auf den Standpunkt stellen, auf dem wir zusammen stehen müssen, wir ersparen dabei eine Menge Umstände, die uns im anderen Falle nur die kostbare Zeit rauben würden.«